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Johann
Christoph Friedrich von Schiller
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Biographie:
Johann Christoph Friedrich von Schiller (seit 1802),
* Marbach am Neckar 10. 11. 1759, Weimar 09. 05. 1805,
war ein deutscher Dichter,
Dramatiker, Philosoph und Historiker; bedeutenster Vertreter
der Weimarer Klassik.
Sein Vater, Johann Caspar Schiller (* 1723, 1796), absolvierte
die militärische Laufbahn, bevor er die Leitung der Hofgärtnerei
des Lustschlosses Solitude bei Stuttgart übernahm; die Mutter
war die Marbacher Wirtstochter Elisabeth Dorothea Schiller,
geboren Kodweis (* 1732, 1802).
Der junge Schiller:
1765/66 besuchte Schiller die Dorfschule in Lorch, 1767 die
Lateinschule in Ludwigsburg, da er später in den württembergischen
Kirchendienst treten wollte. Jedoch musste sich Schillers Vater
der (dreimaligen) Aufforderung des Herzogs Karl Eugen von Württemberg,
er solle seinen Sohn in die 1771 neu gegründete "Militärische
Pflanzschule" auf Schloss Solitude schicken, schließlich
beugen. Anfang 1773 trat Schiller in die Schule ein, wo ihn
ein streng geregeltes Kasernenleben erwartete. Die herzogliche
Willkür bestimmte ihn zum Studium der Rechte. Ende 1775, als
die Schule nach Stuttgart verlegt und in 'Karlsschule' umbenannt
wurde, wechselte er auf eigenen Wunsch zur Medizin. Die frühesten
erhaltenen Gedichte schrieb Schiller unter dem Einfluss F.
G. Klopstocks; auch dramatische Entwürfe entstanden.
Im Oktober 1779 reichte Schiller seine erste, allerdings abgelehnte
Dissertation
ein, 1780 eine zweite ('Versuch über den Zusammenhang der thierischen
Natur des Menschen mit seiner geistigen'). Der physische Zwang,
den Schiller in der Akademie erfuhr, und die Einsicht in die
Bedrohung der geistigen Freiheit verhinderten nicht, dass Schiller
den Ansichten zeitgenössischer Popularphilosophie folgte, nach
der die fortschreitende Vervollkommnung der Tugend den Menschen
der Glückseligkeit immer näher bringe.
Im Dezember 1780 wurde Schiller in Stuttgart als Regimentsmedikus
angestellt. Zu dieser Zeit waren 'Die Räuber' fast abgeschlossen,
das Drama
erschien Mitte 1781 im Selbstverlag, anonym und mit fingiertem
Druckort. Kurz darauf bot der Intendant des Mannheimer Nationaltheaters,
W. H. von Dalberg, Schiller an, 'Die Räuber' nach einer gründlichen
Bearbeitung aufzuführen. Am 13. 1. 1782 fand die Uraufführung
statt, in Anwesenheit Schillers, der unerlaubt ins kurpfälzische
Ausland gereist war; sie löste Begeisterung und Tumulte aus.
Ein anderer bedeutender dichterischer Ertrag dieser Zeit im
militärisch-ärztlichen Dienst, in der Schiller durch ein burschikos-ungestümes
Leben einen Ausgleich zur militärischen Reglementierung suchte,
war die in der ebenfalls anonym erschienenen 'Anthologie
auf das Jahr 1782' (1782) gesammelte frühe Lyrik,
in der sich rhetorischer
Formenreichtum und Anklänge an Klopstock, G.
A. Bürger und A. von Haller zeigen; thematisch spannt
sich der Bogen vom ekstatischen Preis der Schöpfung ('An die
Sonne') über das Grauen vor dem Tod ('Gruppe aus dem Tartarus'),
Sozialkritik ('Die Kindsmörderin') bis hin zur Liebeslyrik ('Laura'-Gedichte).
Gleichzeitig machte er sich mit der zeitgenössischen deutschen
Literatur
vertraut.
Eine zweite unerlaubte Reise nach Mannheim im Mai 1782 wurde
dem Herzog bekannt, der daraufhin eine vierzehntägige Arreststrafe
verhängte. Als Schiller wenig später jede nichtmedizinische
Schriftstellerei streng verboten wurde, floh er mithilfe seines
Freundes J. A. Streicher in der Nacht vom 22. auf den 23. 09.
1782 aus Stuttgart. Nach kurzem Aufenthalt in Mannheim, wo Schillers
Rezitation
der ersten (nicht erhaltenen) Fassung des 'Fiesco' keinen günstigen
Eindruck hinterließ, wandte er sich nach Frankfurt am Main,
dann nach Oggersheim (heute zu Ludwigshafen am Rhein), wo er
im Spätherbst 1782 'Fiesco' umarbeitete. Auch diese Fassung
wurde von Dalberg für eine Aufführung in Mannheim nicht angenommen.
Aus seiner katastrophalen finanziellen und auch psychischen
Lage rettete ihn Karoline Freifrau von Wolzogen, die Mutter
des Stuttgarter Akademiekameraden und späteren Schwagers Wilhelm
Freiherr von Wolzogen, die ihm auf ihrem Gut Bauerbach bei Meiningen
Zuflucht gewährte. Er arbeitete dort v. a. an dem bürgerlichen
Trauerspiel 'Luise Millerin' (auf A. W. Ifflands Veranlassung
'Kabale und Liebe' genannt), dessen Abschluss sich durch seine
Begeisterung für den Don-Carlos-Stoff verzögerte. Ende Juli
1783 kehrte Schiller nach Mannheim zurück, wo er am 1. September
für ein Jahr als Theaterdichter angestellt wurde. Noch einmal
arbeitete Schiller die inzwischen gedruckte und bereits in Bonn
(20. 07. 1783) und Frankfurt am Main (08. 10. 1783) aufgeführte
Tragödie 'Die Verschwörung des Fiesco zu Genua' um. Die Mannheimer
Aufführung am 11. 01. 1784 hatte nur geringen Erfolg. Hingegen
rief die Mannheimer Erstaufführung von 'Kabale und Liebe' am
15. 04. 1784 (vorangegangen war die Uraufführung in Frankfurt
am Main am 13. 04. 1784) stürmischen Beifall hervor.
1784 wurde Schiller zum ordentlichen Mitglied der angesehenen
'Kurfürstlichen Deutschen Gesellschaft' gewählt, in der er am
26. 6. 1784 eine Rede hielt: 'Vom Wirken der Schaubühne auf
das Volk' (später unter dem Titel 'Was kann eine gute stehende
Schaubühne eigentlich wirken?' in der 'Rheinischen Thalia',
1785, Heft 1; schließlich unter dem Titel 'Die Schaubühne als
eine moralische Anstalt betrachtet' in den 'Kleineren prosaischen
Schriften', 1802). Dalberg verlängerte den Theaterdichter-Vertrag
mit Schiller nicht. Doch blieb Schiller zunächst in Mannheim,
weil er hoffte, sich durch eigene Veröffentlichungen, so v.
a. durch die Herausgabe einer von ihm gegründeten Zeitschrift
('Rheinische Thalia', 1785), halten zu können. Jedoch wuchs
seine Schuldenlast, an der auch die Ernennung zum 'Weimarischen
Rat' im Dezember 1784 durch den Herzog Karl August nichts änderte.
Da Schiller von den wenigen freundschaftlichen Beziehungen,
wie der zu Charlotte von Kalb, keine Hilfe erwarten konnte,
nahm er im Dezember 1784 die Verbindung zu einem Kreis sächsischer
Verehrer um C. G. Körner auf und folgte im April 1785 dessen
Einladung nach Leipzig. Körner blieb für lange Zeit Schillers
hilfsbereiter Freund und kunstverständiger Briefpartner.
Schiller in Sachsen:
Weimar und Jena Schiller blieb zunächst einige Monate in Gohlis
(heute zu Leipzig), wo er in G. J. Göschen einen neuen Verleger
fand, und siedelte im September 1785 nach Loschwitz (heute zu
Dresden), im Oktober nach Dresden über. Die Sicherheit der äußeren
Lebenslage, die freundschaftliche Atmosphäre des Kreises um
Körner schlugen sich nieder in der durch Beethovens Vertonung
(Schlusschor der 9. Sinfonie) berühmt gewordenen Ode
'An die Freude' (gedruckt in 'Gedichte', Band 2, 1803). In Dresden
konnte er 'Dom Karlos, Infant von Spanien' abschließen (Uraufführung
29. 8. 1787 in Hamburg, gedruckt 1787, später meist unter dem
Titel 'Don Carlos'); weitere Erträge dieser Zeit sind die 'Philosophische
Briefe' (in: 'Thalia', Heft 3, 1786; Heft 7, 1789), die Erzählung
'Verbrecher aus Infamie' (in: 'Thalia', Band 1, Heft 2, 1787;
1792 in: 'Kleinere prosaische Schriften' unter dem Titel 'Der
Verbrecher aus verlorener Ehre') sowie der Roman 'Der Geisterseher'
(in: 'Thalia', Band 1 und 2, 1787-89). Dennoch führten die Zwänge
der Existenz als freier Schriftsteller zur allmählichen Stagnation
seiner produktiven Kräfte. Der Entschluss zur Veränderung wurde
bestärkt durch eine unglückliche Liebesbeziehung zu Henriette
von Arnim (* 1768, 1847).
Am 20.07. 1787 verließ Schiller Dresden, einen Tag später traf
er in Weimar ein. Hier schloss er sich zunächst erneut Charlotte
von Kalb an und kam auch mit J.
G. Herder und v. a. C.
M. Wieland in nähere Beziehung. Er beschäftigte sich
fast ausschließlich mit historischen Studien, deren erste Frucht
die 'Geschichte des Abfalls der Vereinigten Niederlande von
der Spanischen Regierung' (1788) war. Aufgrund dieses Werkes
erhielt Schiller eine unbesoldete Geschichtsprofessur in Jena.
Am 11. 05. 1789 zog Schiller nach Jena um, am 26. 05. hielt
er vor einem begeisterten Auditorium seine Antrittsvorlesung
'Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?'
(1789). Die Beschäftigung mit der Geschichte ließ ihm nur wenig
Zeit für poetische Arbeiten, auch hatte er bereits seit der
Mannheimer Zeit gesundheitliche Probleme. Dennoch entstanden
Gedichte wie 'Die Götter Griechenlands' (1788) und 'Die Künstler'
(1789) sowie die Erzählung 'Spiel des Schicksals' (1788); eine
Buchausgabe des 'Geistersehers' folgte 1789 (unter dem Titel
'Der Geisterseher. Eine Geschichte aus den Memoiren des Grafen
von O**'). Da die wissenschaftliche Tätigkeit, v. a. die mühevolle
Arbeit an der 'Geschichte des dreißigjährigen Krieges' (3 Bände,
1790-92), seinen Lebensunterhalt nicht sicherte, war Schiller
gezwungen, diverse historische Werke und kleinere Arbeiten und
Vorreden (z. B. zu F. G. de Pitavals 'Merkwürdigen Rechtsfällen',
4 Bände, 1792-95) herauszugeben sowie seine Zeitschrift 'Thalia'
(1786-91) fortzuführen ('Neue Thalia', 1792-93; das letzte Heft
erschien erst 1795 mit Schillers kleineren philosophischen Abhandlungen
'Über den Grund des Vergnügens an tragischen Gegenständen',
'Über die tragische Kunst', 'Vom Erhabenen'). Daneben beschäftigte
er sich mit antiker Dichtung (Euripides, Vergil). Durch das
Studium der zeitgenössischen Philosophie, besonders durch die
Auseinandersetzung mit I.
Kant (seit 1791), suchte er Klarheit über die Erkenntnisfähigkeit
und geistig-sittliche Bestimmung des Menschen und über das Wesen
und die Aufgabe der Kunst zu gewinnen.
Schon 1787 hatte Schiller während eines Aufenthaltes in Rudolstadt
Luise von Lengefeld und ihre Töchter Karoline und Charlotte
kennen gelernt. Ein längerer Besuch im Sommer und Herbst 1788
hatte die Verbindung vertieft. Im August 1789 verlobte sich
Schiller mit Charlotte, am 22. 02. 1790 folgte die Hochzeit.
Ein Jahr später erkrankte Schiller an einer lebensgefährlichen
Krankheit (vermutlich einer kruppösen Pneumonie mit trockener
Rippenfellentzündung). Er erholte sich nur langsam. Die Folgen
der Krankheit, die ihn in immer neuen Anfällen bis zum Tod verfolgten,
bedeuteten fortan eine stets akute Bedrohung, der sich Schiller
voll bewusst war. Mit nie ermüdender Energie schuf er, rastlos
und gewaltsam, das große philosophisch-ästhetische und dichterische
Werk seiner Reifezeit. - Aus wirtschaftlicher Bedrängnis rettete
ihn 1791 ein dreijähriges (später um zwei Jahre verlängertes)
Ehrengehalt des Herzogs Friedrich Christian II. von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg
(* 1765, 1814) und des dänischen Finanzministers Ernst
Heinrich Graf von Schimmelmann (* 1747, 1831). Die beiden
folgenden Jahre dienten v. a. dem Studium der Ethik und Ästhetik
Kants sowie der Arbeit an der Grundlegung einer eigenen Anthropologie,
Ethik und Ästhetik ('Über Anmut und Würde', 1793; 'Kallias'-Briefe
an Körner, 1793; 'Über die ästhetische Erziehung des Menschen',
1795; 'Ueber naive und sentimentalische Dichtung', in: 'Die
Horen', 1795 und 1796). In den scharfsinnigen, brillanten Briefen
an den dänischen Herzog verdeutlichte Schiller, dass ihn die
Französische Revolution inspiriere, die Erfordernisse einer
'modernen' Poesie
zu beschreiben, die sich von der klassischen Antike notwendig
unterscheide: Diese ist (wie die Goethes) 'naiv', während die
moderne Literatur im und vom Widerspruch zwischen Ideal und
Wirklichkeit lebt.
Eine Reise zu Körner nach Dresden im Frühjahr 1792 und ein Aufenthalt
in seiner schwäbischen Heimat von August 1793 bis Mai 1794 unterbrachen
Schillers tätige Zurückgezogenheit. Angebote einer Tübinger
Professur lehnte er ab. Die Begegnung mit dem Tübinger Verleger
J. G. Cotta führte zu einer engen geschäftlichen und persönlichen
Verbindung, deren erstes wichtiges Ergebnis die Gründung der
Zeitschrift 'Die Horen' war. Zu den bedeutsamen Begegnungen
Schillers gehörte die mit W. von Humboldt.
Schillers Freundschaft mit Goethe
Seit 1794 bahnte sich, nach zunächst distanziertem Verhältnis,
die Freundschaft zwischen Schiller und Goethe an: Schiller lud
Goethe zur Mitarbeit an der Redaktion der 'Horen' ein; dessen
Zusage, ein von beiden geführtes anregendes Gespräch anlässlich
einer Tagung der 'Naturforschenden Gesellschaft' in Jena über
Goethes Auffassungen zur 'Metamorphose der Pflanzen' sowie Schillers
ebenso werbender wie klug charakterisierender Brief zu Goethes
Geburtstag standen am Beginn des intensiven geistigen Austauschs,
der ein Höchstmaß an einander ergänzender und korrigierender
künstlerischer Produktivität zur Folge hatte: Unter anderem
regte Schiller den Freund zur Fortsetzung der Arbeit am 'Faust'
an, Goethe nahm lebhaften Anteil am 'Wallenstein' (die drei
Teile wurden am 12. 10. 1798, 30. 01. 1799 und 20. 04. 1799
einzeln in Weimar uraufgeführt); ebenso wichtig war die Diskussion
ästhetischer Grundfragen. Der 'Briefwechsel' zwischen Schiller
und Goethe (von Goethe zuerst 1828.-29 in 6 Bänden herausgegeben)
diente auch der Selbstverständigung beider über Probleme der
eigenen künstlerischen Produktion. Die 'klassische' Epoche deutscher
Dichtung wurde weitgehend durch diesen Freundschaftsbund bestimmt
(Weimarer Klassik).
Seit 1795 wandte sich Schiller wieder der Dichtung zu, auch,
weil er für 'Die Horen' (1795-97) und den zuerst 1795 (dann
jährlich bis 1799) herausgegebenen 'Musenalmanach' (für die
Jahre 1796-1800) geeignete Beiträge benötigte. In der Folge
entstanden Schillers formvollendete und gedankentiefe Lehrgedichte,
u. a. 'Das Ideal und das Leben' (1795 unter dem Titel 'Das Reich
der Schatten'), 'Das verschleierte Bild zu Sais' (1795), 'Würde
der Frauen' (1796), 'Die Macht des Gesanges' (1796) und die
'Klage der Ceres' (1797). Der wichtigste Ertrag dieser Zeit
bestand aber in den zusammen mit Goethe verfassten 'Xenien'
(in: 'Musenalmanach für das Jahr 1797', 1796), mit denen die
Dichter in die zeitgenössischen Literaturdebatten eingriffen,
eine verflachte Aufklärungsliteratur verspotteten und den Kunstanspruch
der 'Horen' verteidigten. Der 'Xenienstreit' brachte den beiden
mehr Ablehnung als Zustimmung. Mit dem Jenaer Romantikerkreis
um F.
Schlegel geriet Schiller schon früh in inneren und
äußeren Gegensatz, der schließlich zum offenen Bruch führte.
Die unmittelbare Zusammenarbeit Goethes und Schillers setzte
sich im 'Balladenjahr' 1797-98 fort (von Schiller u. a. 'Der
Ring des Polykrates', 'Die Kraniche des Ibykus', 'Der Gang nach
dem Eisenhammer', 'Ritter Toggenburg', 'Der Taucher', 'Der Handschuh',
'Die Bürgschaft'; alle gedruckt 1797 beziehungsweise 1798 in
'Musenalmanach für das Jahr 1798' beziehungsweise '1799').
Letzte Jahre in Weimar:
Nachdem Schiller bereits 1791 wegen seines Gesundheitszustandes
sein Lehramt aufgegeben hatte, siedelte er im Dezember 1799
nach Weimar über, um Goethe und besonders dem Theater näher
zu sein. Von der Anschauung der praktischen Theaterarbeit erhoffte
er sich für seine Pläne wesentliche Hilfe. Obwohl er von abermaliger
schwerer Krankheit Anfang 1800 nicht mehr gesundete, vollendete
Schiller neben Bühnenbearbeitungen und Übersetzungen nahezu
Jahr für Jahr ein neues Drama: Am 14. 06. 1800 wurde in Weimar
'Maria Stuart' uraufgeführt (gedruckt 1801), am 11. 9. 1801
in Leipzig 'Die Jungfrau von Orleans' (gedruckt 1801), am 19.
3. 1803 in Weimar 'Die Braut von Messina' (gedruckt 1803), am
17. 3. 1804 in Weimar 'Wilhelm Tell' (gedruckt 1804); der 'Demetrius'
blieb unvollendet (Fragment gedruckt 1815). - Von den Bühnenbearbeitungen
und Übersetzungen sind zu nennen Shakespeares 'Macbeth' (1801),
C. Gozzis 'Turandot' (1802) sowie J. Racines 'Phèdre' (1805).
Neben dem dramatischen Werk stehen Gedichte, die in klassischen
Versmaßen
meist philosophischen Ideen Ausdruck verleihen, u. a. 'Der Antritt
des neuen Jahrhunderts' (1801), 'Die vier Weltalter' (1802),
'Die Huldigung der Künste' (1805); auch mythologische
Stoffe gestaltete er neu ('Hero und Leander', 1801; 'Kassandra',
1802). Am 4. 02. 1802 bezog Schiller sein eigenes Haus in Weimar.
In der Folge erwog er, die kleine Residenz zu verlassen, doch
verzichtete er letztlich darauf, auch als sich ihm 1804 die
Möglichkeit einer Übersiedlung nach Berlin bot. Von einem schweren
Krankheitsanfall im Juli 1804 erholte sich Schiller nicht mehr.
Seine sterblichen Überreste wurden 1827 vom alten Friedhof der
Sankt Jakobs-Kirche in die Weimarer Fürstengruft übergeführt.
Der Dichter der Freiheit:
Der Konflikt von Natur und Freiheit, Trieb und Geist hatte schon
das philosophische Denken des jungen Schiller beherrscht. Von
Anfang an verfocht er - zunächst noch ganz im Sinne des Sturm
und Drang - leidenschaftlich die Idee der Freiheit,
so schon in den 'Räubern', wo der Held aus Weltverbesserungswillen
zum Verbrecher wird, so in 'Kabale und Liebe', wo mit bis dahin
nicht gekannter Deutlichkeit die tödlichen absolutistischen
Machtmechanismen enthüllt werden. Entscheidend für Schiller
wurde dann die Auseinandersetzung mit Kants Philosophie, die
er selbstständig weiterentwickelte. Während Kant das Primat
der Pflicht betont, ist für Schiller vollendete Sittlichkeit
('Würde') allein in der Versöhnung von Pflicht und Neigung möglich.
In der Anmut erscheinen geistige und leibliche Schönheit als
ästhetische Harmonie ('Über Anmut und Würde'). Das Drama 'Dom
Karlos' spiegelt den Übergang zum historisch fundierten philosophischen
Ideendrama, in dem weltgeschichtliche und sittliche Entscheidungen
ausgetragen werden; die Figur des Marquis Posa verkörpert das
Ideal einer kommenden, höheren und freien Menschheit. Hatten
Schillers frühe Dramen seine Fähigkeit zu realistischer Darstellung
gezeigt (Musikus Miller in 'Kabale und Liebe'), so war es das
Bestreben des reifen Dramatikers, Kunst über alles, was nur
'Stoff' ist, hinauszuheben und - antikisierend - dem gleichsam
zeitlosen Konflikt von Schuld und Schicksal unterzuordnen ('Die
Braut von Messina'). Dabei interessieren ihn die Großen mit
ihren Machtspielen ('Maria Stuart') nicht weniger als aus dem
Volk hervorgegangene Befreiergestalten ('Die Jungfrau von Orleans',
'Wilhelm Tell'). Das weit gediehene Fragment 'Demetrius' weist
wieder stärkere Züge realistischer Geschichtsdramatik auf. Immer
geht es um Freiheit und Notwendigkeit, um Legitimität des Handelns
oder deren Verfehlen im komplexen geschichtlichen Geschehen.
Schillers Lyrik ist Ausdruck des Gedankens von der Teilhabe
des Menschen an der idealen Wertwelt. In seinem schmalen erzählerischen
Werk erwies sich Schiller als illusionsloser Psychologe, der
sich auch von kriminalistischen Stoffen angezogen fühlte. Künstlerischer
Höhepunkt der Prosa
sind seine philosophisch-ästhetischen Schriften.
Wirkung
Schon von seinen Zeitgenossen war Schiller enthusiastisch gefeiert,
aber auch heftig angegriffen worden. Nach seinem frühen Tod
wurde er bald zum Objekt kultischer Verehrung (Denkmäler, Feiern),
die sein Leben, hier besonders die Jugendjahre und die Beziehung
zu Goethe, zum Gegenstand literarischer Fiktionen machte (z.
B. H. Laube, 'Die Karlsschüler', 1846; T.
Mann, 'Schwere Stunde', 1905; W. von Molo, 'Der Schiller-Roman',
4 Teile, 1912-16). Wie Goethe und neben diesem wurde er - auch
mit fragwürdigen Implikationen - zur Symbolfigur deutscher Geistesgröße
und zum Lieferanten allzeit zitierbarer Lebensweisheit. Im Streit,
wer der größere Klassiker
sei, spiegelten sich politische und ideologische Positionen.
Liberale, Demokraten und Sozialdemokraten gaben im 19. Jahrhundert
häufig Schiller den Vorzug (Schiller-Feiern 1859). Dagegen setzte
F. Nietzsche
sein Verdikt vom 'Moral-Trompeter von Säckingen'. Im Kaiserreich
und danach wurde Schiller zum Nationalheros stilisiert. Auf
den Spielplänen deutscher Bühnen blieben Schillers Dramen mit
unterschiedlichen Schwerpunkten stets präsent.
Direkte literarische Traditionslinien lassen sich nur schwer
ausmachen, die Balladendichtung, die historische Epik
und Dramatik
des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sowie die Kunsttheorie des
Neuklassizismus wurden von Schiller zumindest indirekt beeinflusst;
ebenso empfingen die russische Literatur (v. a. F. M. Dostojewskij),
aber auch Schriftsteller des 20. Jahrhunderts wie B.
Brecht und T. Mann wichtige Impulse von ihm. Wie
die populäre Schiller-Rezeption und die Schiller-Dramaturgie
muss auch die Schiller-Forschung zum Teil im Zusammenhang mit
der weltanschaulichen Funktionalisierung seines Werks gesehen
werden. Der Positivismus bemühte sich u. a. um die Erhellung
der Biografie
und Werkgeschichte (z. B. J. Minor, 'Schiller', 2 Bände, 1889-90),
die geistesgeschichtliche Schule um das intuitive Erfassen des
Künstlers und seines Schaffens (z. B. F. Strich, 'Schiller',
1912), die nach 1945 dominierende textimmanente Methode wiederum
um die formale Analyse des Werks als Sprachkunstwerk (z. B.
E. Staiger, 'F. Schiller', 1967). Dem Andenken Schillers sind
zahlreiche Kultur- und Literaturpreise gewidmet, so u. a. der
'Große Schiller-Preis' der Schweizer Schillerstiftung, die Schillerpreise
der Städte Mannheim und Marbach am Neckar sowie der Schiller-Gedächtnispreis
des Landes Baden-Württemberg.
Ausgaben:
Sämmtliche Schriften, herausgegeben von K. Goedeke u. a., 15
Bände in 17 Teilen (1867-76);
Sämtliche Werke, herausgegeben von E. von der Hellen u. a.,
16 Bände (1904);
Werke. Nationalausgabe, begründet von J. Petersen, fortgeführt
von L. Blumenthal u. a. (1943 folgende);
Gespräche, herausgegeben von F. von Biedermann (6.-10. Tausend
1974); Sämtliche Werke, herausgegeben von G. Fricke, 5 Bände
(6-91980-93); Der Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe,
herausgegeben von S. Seidel, 3 Bände (1984); Briefe, herausgegeben
von E. Streitfeld und V. ?megač (Neuausgabe (1986); Werke
und Briefe, herausgegeben von O. Dann u. a., auf 12 Bände berechnet
(1988 folgende); Sämtliche Werke, bearbeitet von J. Perfahl
u. a., 5 Bände (1-51990).
(Quelle: Brockhaus - Die Enzyklopädie: in
24 Bänden. 20., neu bearbeitete Auflage. Leipzig, Mannheim:
F. A. Brockhaus 1996-99. Aktualisiert mit Artikeln aus der Brockhaus-Redaktion
und ergänzt um Verweise auf Munzinger-Texte. © Bibliographisches
Institut F. A. Brockhaus AG, Mannheim, und Munzinger-Archiv
GmbH, Ravensburg; Redaktion Gerd
Gross)
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Bibliographie:
{Text20.3}
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Ehrungen und Auszeichnungen:
{Text20.4}
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Allgemeines,
Leben und Werk:
Schillers Persönlichkeit. Urtheile der Zeitgenossen und Documente,
herausgegeben von M. Hecker und anderen, 3 Bände (1904-09, Nachdruck
1976, 1 Band);
T. Mann: Versuch über Schiller (1955); G. von Wilpert: Schiller-Chronik.
Sein Leben und Schaffen (1958);
W. Dilthey: Schiller (Neuausgabe 1959);
W. Muschg: Schiller. Die Tragödie der Freiheit (Bern 1959);
R. Buchwald: Schiller. Leben und Werk (51966);
Schillers Leben und Werk in Daten und Bildern, herausgegeben von
B. Zeller u. a. (1966);
Schillers Leben dokumentarisch in Briefen, zeitgenössischen Berichten
und Bildern, herausgegeben von W. Hoyer (1967);
G. Storz: Der Dichter F. Schiller (41968);
F. Schiller, herausgegeben von B. Lecke, 2 Bände (1969-70);
H. Koopmann: Schiller-Kommentar, 2 Bände (1969);
derselbe: F. Schiller, 2 Bände (21977);
derselbe: Schiller-Forschung: 1970-1980 (1982);
derselbe: Schiller. Eine Einführung (1988);
G. Ueding: Schillers Rhetorik. Idealistische Wirkungsästhetik
und rhetorische Tradition (1971);
derselbe: F. Schiller (1990);
F. Schiller. Zur Geschichtlichkeit seines Werkes, herausgegeben
von K. L. Berghahn (1975);
G. Kaiser: Von Arkadien nach Elysium. Schiller-Studien (1978);
B. von Wiese: F. Schiller (41978);
E. Middell: F. Schiller. Leben und Werk (Leipzig 21982);
J. Bolten: F. Schiller. Poesie, Reflexion und gesellschaftliche
Selbstdeutung (1985);
K. L. Berghahn: Schiller. Ansichten eines Idealisten (1986);
Hans Mayer: Versuche über Schiller (1987);
F. Schiller - Angebot und Diskurs, herausgegeben von H. Brandt
(Berlin-Ost 1987);
P. Lahnstein: Schillers Leben (Neuausgabe 1990);
Schiller, Aspekte neuer Forschung, herausgegeben von N. Oellers
(1990);
F. Burschell: F. Schiller (195.-199. Tausend 1995);
N. Oellers: F. Schiller. Zur Modernität eines Klassikers (1996);
P.-A. Alt: Schiller. Leben - Werk - Zeit, 2 Bände (2000).
Dramatik:
J. Petersen: Schiller und die Bühne. Ein Beitrag zur Litteratur-
und Theatergeschichte der klassischen Zeit (1904, Nachdruck New
York 1967);
W. Spengler: Das Drama Schillers. Seine Genesis (1932);
K. L. Berghahn: Formen der Dialogführung in Schillers klassischen
Dramen (1970);
G. Sautermeister: Idyllik und Dramatik im Werk F. Schillers. Zum
geschichtlichen Ort seiner klassischen Dramen (1971);
Schiller. Zur Theorie und Praxis der Dramen, herausgegeben von
K. L. Berghahn u. a. (1972);
D. Borchmeyer: Tragödie und Öffentlichkeit. Schillers Dramaturgie
im Zusammenhang seiner ästhetisch-politischen Theorie und die
rhetorische Tradition (1973);
I. Graham: Schiller, ein Meister der tragischen Form. Die Theorie
in der Praxis (aus dem Englischen, 1974);
H. Rischbieter: F. Schiller, 2 Bände (21975);
A. Siekmann: Drama und sentimentalisches Bewußtsein. Zur klassischen
Dramatik Schillers (1980);
R. Blesch: Drama und wirkungsästhetische Praxis. Zum Problem der
ästhetischen Vermittlung bei Schiller (1981);
Schillers Dramen, herausgegeben von W. Hinderer (Neuausgabe 1992).
Geschichte und Philosophie:
T. Neumann: Der Künstler in der bürgerlichen Gesellschaft. Entwurf
einer Kunstsoziologie am Beispiel der Künstlerästhetik F. Schillers
(1968);
A. Wirth: Das schwierige Schöne. Zu Schillers Ästhetik (1975);
H.-G. Pott: Die schöne Freiheit. Eine Interpretation zu Schillers
Schrift Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe
von Briefen (1980);
B. Schläpfer: Schillers Freiheitsbegriffe (Bern 1984);
A. Dedring: Register zu den vermischten Schriften Schillers in
Band 22 der Schiller-Nationalausgabe (1991).
Wirkungsgeschichte:
E. Lohner: Schiller und die moderne Lyrik (1964);
N. Oellers: Schiller. Geschichte seiner Wirkung bis zu Goethes
Tod (1967);
derselbe: 50 Jahre Schiller-Nationalausgabe - und kein Ende? (1991);
Schiller, Zeitgenosse aller Epochen. Dokumente zur Wirkungsgeschichte
Schillers in Deutschland, herausgegeben von N. Oellers, 2 Bände
(1970-76);
Gudrun Schulz: Die Schiller-Bearbeitungen Bertolt Brechts (1972);
A. H. Lyngstad: Dostoevskij and Schiller (Den Haag 1975);
G. Ruppelt: Schiller im nationalsozialistischen Deutschland. Der
Versuch einer Gleichschaltung (1979);
Schiller in Deutschland 1781-1970. Materialien zur Schiller-Rezeption,
herausgegeben von E. D. Becker (21979);
Schau-Bühne. Schillers Dramen 1945-1984, bearbeitet von H.-D.
Mück u. a., Ausstellungskatalog (1984).
Bibliographien:
K. Goedeke: Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung, Band
5 (21893, Nachdruck Nendeln 1975);
Schiller-Bibliographie, herausgegeben von den Nationalen Forschungs-
und Gedenkstätten der klassischen Deutschen Literatur in Weimar,
4 Teile (Berlin-Ost 1959-89);
H. Koopmann: Schiller-Forschung 1970-1980 (1982).
Periodikum:
Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft, herausgegeben von
F. Martini u. a. (1957 folgende).
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(©
01.01.2007 Autor und Redaktion
Gerd
Gross) (letzte
Änderung 01.01.2007)
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