Deutschsprachige Schriftsteller
Immanuel Kant

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Biographie:

Immanuel Kant, getauft als Emanuel; * Königsberg (heute Kaliningrad) 22. 04. 1724, † Königsberg 12. 02. 1804; war deutscher Philosoph:

wird als viertes von acht Kindern (jedoch nur vier erreichen das Erwachsenenalter) des Riemermeisters Johann Georg Kant (1683-1746) und seiner Frau Anna Regina Reuter (1697-1737) geboren. Sein Elternhaus ist stark pietistisch geprägt, die Mutter für Bildung sehr aufgeschlossen. Kant änderte die Schreibung seines Familiennamens, der schottischen Ursprungs ist, um ihn der deutschen Aussprache anzupassen.

Besucht von 1732-40 das Friedrichsgymnasium in Königsberg, erfährt eine sehr gute Förderung und kann bereits 1740-45 an der Universität Königsberg anfangs Theologie, die er bald wieder aufgibt, um sich der Philosophie und später hauptsächlich der Mathematik und dem Physik Studium hinzugeben. Martin Knutzen, Professor für Logik und Metaphysik, macht ihn mit den Lehren von Leibniz und Isaac Newton (1642-1727) (englischer Physiker, Mathematiker, Astronom, Alchemist, Philosoph und Theologe) vertraut. I.K. bricht 1746 sein Studium ab, sein Werk „Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte“ wird von seinem pietistischen Professor Knutzen nicht als Abschlußarbeit anerkannt.

Nach dem Tod des Vaters wird der Lebensunterhalt der Familie durch i.K. sichergestellt. Er arbeitet 1746-55 als Hauslehrer bei dem reformierten Prediger Daniel Ernst Andersch (tätig 1728–1771) in Judtschen bei Gumbinnen, auf dem Gut des Majors Bernhard Friedrich von Hülsen auf Groß-Arnsdorf bei Mohrungen und bei der Familie Keyserlingk auf dem Schloss Waldburg-Capustigall in der Nähe von Königsberg. Nach dem Tod seines Professors Knutzen kehrt er 1754 nach Königsberg zurück und promoviert 1755 in Philosophie. Nach seiner Habilitation wird i.K. Privatdozent an der Königsberger Universität. Zu seinen Lehrfächern gehören Logik, Metaphysik, Anthropologie, Moralphilosophie, natürliche Theologie, Mathematik, Physik, Mechanik, Geographie, Pädagogik und Naturrecht. Johann Gottfried Herder, der 1762–64 bei ihm seine Vorlesungen besucht, schreibt später darüber: "Mit dankbarer Freude erinnere ich mich aus meinen Jugendjahren der Bekanntschaft und des Unterrichts eines Philosophen, der mir ein wahrer Lehrer der Humanität war (…) Seine Philosophie weckte das eigne Denken auf, und ich kann mir beinahe nichts Erleseneres und Wirksameres hierzu vorstellen, als sein Vortrag war." 1759 wird I.K als Professor erstmalig für Logik und Metaphysik abgelehnt und 1762 eine Professur für Dichtkunst nicht befürwortet. i.K. bestreitet seinen Unterhalt in den Jahren 1766-1772 als Unterbibliothekar an der königlichen Schlossbibliothek. Rufe an die Universität nach Erlangen (1769) beziehungsweise Jena (1770) schlägt I.K aus. Erst 1770 wird er zum Professor für Logik und Metaphysik in Königsberg berufen. i.K. Königsberg treu ergeben lehnt den mit einer deutlich höheren Vergütung verbundenen Ruf an die damals berühmte Universität von Halle im Jahre 1778 ab, obwohl eine besondere Bitte des Kultusministers von Zedlitz vorausging.

1787 werden die beiden Rektor Jahre (1786+1788) an der Köngisbergeruniversität von der Aufnahme in die Berliner Akademie der Wissenschaften unterbrochen. 1794 gerät i.K. mit dem Nachfolger von Kultusminister Zedlitz' Wöllner wegen seiner Religionsphilosophie in Konflikt mit der Zensurbehörde im preußischen Staat. Sein Lehramt durfte i.K. mit der Auflage, sich seiner religiösen Schriften zu enthalten, da sie deistisches und sozinianisches Gedankengut verbreiteten, das nicht mit der Bibel vereinbar sei, bis 1796 ausüben. Trotz einer Beschwerde seines Freundes, der Herausgeber der "Berlinischen Monatsschrift" in Berlin, Johann Erich Biester an den preußischen König, durfte i.K. keine Äußerungen öffentlich darüber tätigen.

Kants Leben verläuft äußerlich ruhig. Bis zu seiner Berufung lebt er in sehr bescheidenen Verhältnissen. Später werden die von ihm für einige Auserwählte (angeblich besaß Kant nur Geschirr für sechs Personen) veranstalteten Essen zu einem bekannten Treffpunkt. Seine Pünktlichkeit ist Gegenstand vieler Anekdoten. Kant, der Junggeselle blieb, hat den Raum um Königsberg nie verlassen. i.K. war klein von Gestalt, etwas verwachsen und gesundheitlich nicht sehr stabil. Offenbar deshalb legt er ab 40 seinem Leben eine äußerst strenge Disziplin auf. Sein Tag ist exakt eingeteilt gewesen, und er hält sich mit der Zuverlässigkeit eines Uhrwerks an die selbstgewählte Ordnung. Das ermöglicht ihm, bis ins hohe Alter bei guter Gesundheit zu arbeiten und seine immense Lebensarbeit im wesentlichen zu vollenden.

Kant verbringt nahezu sein ganzes Leben im damals weltoffenen Königsberg, wo er 1804 fast 80jährig stirbt. Sein Grab befindet sich im Königsberger Dom. An der Außenseite des Domes hängt sein Kenotaph.

Wirken:

[in der philosophischen Entwicklung Kants werden, orientiert an den Titeln seiner Hauptwerke, eine vorkritische und eine kritische Periode unterschieden. Die vorkritische Position Kants ist zunächst gekennzeichnet durch Rezeption und Fortentwicklung des philosophischen Rationalismus insbesondere von G. W. Leibniz und C. Wolff. In seinem Erstlingswerk "Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte ..." (1746) kommt es Kant generell auf eine Verbindung von mathematischer Methode und geeigneten terminologischen Bestimmungen an. Letztere müssen nach Kant von der "Metaphysik" geleistet werden, da die abstrahierenden Begriffsbildungen der Mathematik nur Teilaspekte der durch sie bezeichneten Gegenstände zur Geltung bringen. In der "Allgemeinen Naturgeschichte und Theorie des Himmels ..." (1755) gelangt Kant durch konsequente Anwendung der newtonschen Mechanik in der Kosmologie zu einer Theorie der Entstehung astronomischer Systeme, die später von P. S. de Laplace weiterentwickelt und unter dem Namen Kant-Laplace-Theorie bekannt wird. Um 1760 setzt unter Einfluss D. Humes eine skeptische Neuorientierung von Kants Denken ein. Die in der Preisschrift der Berliner Akademie "Untersuchung über die Deutlichkeit der Grundsätze der natürlichen Theologie und Moral" (1763) noch für möglich gehaltene Orientierung der Metaphysik an der "inneren Erfahrung" lehnt Kant in seiner gegen E. Swedenborg gerichteten Schrift "Träume eines Geistersehers, erläutert durch Träume der Metaphysik" (1766) als "Traum" ab. In "Der einzig mögliche Beweisgrund zu einer Demonstration des Daseins Gottes" (1763) verwirft Kant die nach mathematischem Vorbild deduzierenden Gottesbeweise wie später auch den ontologischen Gottesbeweis und lässt nur ein Argument zu, das sich auf die "a priorische Notwendigkeit" des Daseins Gottes stützt. Die zum Antritt seiner Professur verfasste Inauguraldissertation "De mundi sensibilis atque intelligibilis forma et principiis" (1770) bildet den Übergang zu seiner kritischen Philosophie.

Kritik der reinen Vernunft:

Kant wollte (nach seiner eigenen Aussage) mit seiner "Kritik der reinen Vernunft" (1781, 2. veränderte Auflage 1787) eine "kopernikanische Wende" in der Philosophie herbeiführen, indem er den seiner Meinung nach naiven Glauben des Rationalismus und Empirismus an die Objektivität der Erkenntnis kritisiert. Das Erkenntnisvermögen muss vielmehr auf die eben diese Objektivität erst ermöglichenden Handlungen des erkennenden Subjektes gegründet werden. Diese Analyse ("Kritik") bildet nach Kant den Kern der "Transzendentalphilosophie". Diese befasst sich im Gegensatz zur bisherigen Philosophie nicht mit "Gegenständen, sondern mit unserer Erkenntnisart von Gegenständen, insofern diese a priori möglich sein soll". Kant weist nach, dass Metaphysik als Wissenschaft im traditionellen Sinn als Lehre von Gott, Welt und Seele unmöglich ist, da in metaphysischen Sätzen der "Bereich möglicher Erfahrung" überschritten ("transzendiert") wird. Die Hauptaufgabe der Erkenntnistheorie sieht Kant darin, die Möglichkeit von synthetischen Sätzen a priori - wie sie etwa in der Mathematik (Beispiel: 7 + 5 =12) zu finden sind - zu ergründen. Sie sind möglich und, wie sich zeigt, nicht nur erfahrungsunabhängig im Sinne der Nichtwiderlegbarkeit durch Erfahrung, sondern zudem erfahrungskonstitutiv, insofern sie empirische wissenschaftliche Orientierung in ihrem methodischen Aufbau erst ermöglichen. Erkenntnis kommt nach Kant immer nur im Zusammenspiel von Anschauung und Denken zustande: "Begriffe ohne Anschauungen sind leer und Anschauungen ohne Begriffe blind. Jede Anschauung ist durch die 'reinen Anschauungsformen' Raum und Zeit strukturiert. Raum und Zeit selbst sind keine Gegenstände der Erfahrung, sondern haben als Konstituenten der Erfahrung apriorischen Charakter."

Eine vergleichbare Rolle spielen die Kategorien auf der Seite des Denkens. Zusammen bilden Raum, Zeit und Kategorien die apriorischen Bedingungen jeder Erfahrung und bestimmen den vom lebensweltlichen ("phänomenalen") Erfahrungsbegriff unterschiedenen konstruktiv-instrumentalen Erfahrungsbegriff der Philosophie Kants und der Physik.
Das Problem, wieso sich die apriorischen Sätze von Mathematik und reiner Naturwissenschaft auf die Erfahrung anwenden lassen, löst Kant durch die in "transzendentalen Schemata" zu leistende Vermittlung. Ein transzendentales Schema besteht aus Regeln oder Konstruktionsverfahren in der "reinen Anschauung", das heisst unabhängig von einer bestimmten konkreten, etwa durch Zeichnung vorgenommenen Realisierung eines arithmetischen oder geometrischen Begriffs. In diesem Sinne ist Kausalität als Regel zu verstehen, einen Bereich der Naturerscheinungen methodisch zu erarbeiten, für die sich definitionsgemäß gewisse Bedingungen konstruieren lassen, die bei Realisierung jene Erscheinungen "regelmäßig" zur Folge haben. Die Sicherung verlässlicher Geschehensfolgen ist so eine Bedingung der Möglichkeit von Erfahrung überhaupt.
Kants Theorie der Erfahrung als der Aufweis der jeder Erfahrung methodisch-systematisch vorausgehenden, sie bestimmenden und begrenzenden Orientierungsmittel lässt die Rede von Gott, Welt, Seele als von diesen Orientierungsmitteln unabhängigen Gegenständen ('Ding an sich') der theoretischen Erfahrung nicht mehr zu. Gott, Welt, Seele haben für Kant als Ideen" einen regulativen und praktischen Charakter als Aufforderungen, die systematische Einheit theoretischer Überlegungen herzustellen. Als "Postulate der praktischen Vernunft" führen sie zur Sicherung der Existenz Gottes, der menschlichen Freiheit und der Unsterblichkeit der Seele.

In unwesentlich modifizierter Form trägt Kant die Grundgedanken seiner "Kritik der reinen Vernunft" in den "Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können" (1783) vor, die er als Reaktion auf die geringe Beachtung schrieb, die die "Kritik" fand.

Kritik der Urteilskraft:

in seiner "Kritik der Urteilskraft" untersucht Kant die Folgerungen aus der Einführung der Termini "Zweck" und "Zweckmäßigkeit" in die theoretische Philosophie. Kant findet zweckmäßige Komplexe in den Werken der Kunst und Literatur wie in der organischen Natur. Die Rede von "objektiven" Zwecken ist nach der "Kritik der reinen Vernunft" im Bereich der Erfahrung nicht möglich, da dieser als durchgehend kausal determiniert konstituiert wurde. Die Geltung von ästhetischen Sätzen resultiert "rezeptionsästhetisch" aus dem an theoretischer Erklärung wie praktischer Normierung gleichermaßen "uninteressierten Wohlgefallen", das aus der durch die "ästhetische Urteilskraft" vermittelten "formalen Zweckmäßigkeit im Spiele der Erkenntniskräfte des Subjekts" bei der Betrachtung der Gegenstände stammt. Im durchgehend kausal determinierten Bereich der Naturerfahrung ist ein Nachweis objektiver Zwecke (z. B. in der Selbstorganisation von Organismen) nach Kant nicht möglich. Der durch die "teleologische Urteilskraft" vermittelte finale Naturzusammenhang ist eine "regulative Idee" im Sinne der "Kritik der reinen Vernunft". So leistet die Urteilskraft, ähnlich wie schon die aus der "Spontaneität" des menschlichen Subjekts ("aus Freiheit") erfolgte Konstitution von Determination im Bereich theoretischer Naturerfahrung, eine Vermittlung des so mechanistisch bestimmten Erfahrungsbereichs. Ein Organismus wird so angesehen, "als ob" in ihm ein zweckrationaler Wille wirke, den der Mensch nur von sich selbst her kennt. In den "Metaphysischen Anfangsgründen der Naturwissenschaften" (1786) entwirft Kant auf der Basis der "Kritik der reinen Vernunft" eine dynamisch ausgerichtete Theorie der Naturwissenschaften. Naturphilosophische Reflexionen (v. a. zum Materie- und Leibbegriff) bilden auch den Gegenstand seiner letzten, nur im Entwurf vorliegenden und erst 1936-38 edierten Schriften ("Opus postumum", 2 Bände).

Die praktische Philosophie:

in der praktischen Philosophie versucht Kant zunächst ein oberstes Begründungsprinzip für Handlungen beziehungsweise Normen aufzustellen. Er geht dabei von einer Analyse der Unterscheidung zwischen Seins- und Sollenssätzen aus: "Daraus, dass etwas der Fall ist, folgt nicht, dass es auch der Fall sein soll ('"naturalistischer Fehlschluss"); dass etwas begehrt wird oder Lust bereitet, nicht, dass es auch gewollt werden soll." Das Prinzip der Handlungs- oder Normbegründung kann daher nicht "empirisch" sein, das heißt, das Bestehen bestimmter Normen, die durch Erziehung eingeübt oder durch Rechtsordnung sanktioniert sind, oder bestimmter Gefühle und Neigungen, seien sie "physisch" oder "moralisch", stellt keine ausreichende Begründung für die Forderung nach Befolgung der Normen oder für ein Handeln gemäß den Gefühlen dar. Weiterhin ist zu unterscheiden zwischen Zweck und Mittel: "das oberste moralische Begründungsprinzip soll kein instrumentelles Prinzip, das die Wahl der besten Mittel zur Erreichung vorgegebener Zwecke lehrt, sondern das Prinzip der besten Zwecksetzung sein. Daraus, dass ein bestimmter Zweck um eines anderen Zweckes willen verfolgt wird, folgt nicht, dass er begründet ist. Das moralische Begründungsprinzip kann daher nicht "hypothetisch" sein in dem Sinne, dass es bestimmte Handlungen oder Zwecke nur als Mittel zu (anderen) Zwecken zu begründen erlaubt, sondern es muss "kategorisch'"sein in dem Sinne, dass die Handlungen oder Zwecke "an sich", das heisst eben nicht als Mittel, als begründet beurteilt werden können." Aus diesen Überlegungen ergibt sich für Kant als oberstes Begründungsprinzip der Moral der kategorische Imperativ: "Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie allgemeines Gesetz werde".

Dieses formale Universalisierungsprinzip benutzt Kant in der "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" (1785) zur Aufstellung eines Systems von Rechts- und Tugendpflichten, wobei die Befolgung der Rechtspflichten im Unterschied zu der der Tugendpflichten durch Zwang herbeigeführt werden darf. Als oberstes Prinzip zur Aufstellung der Rechtspflichten formuliert Kant den kategorischen Imperativ für die Handlungsmöglichkeiten der miteinander in einer Gesellschaft lebenden Personen um: "Eine Handlung ist recht, die oder nach deren Maxime die Freiheit der Willkür eines jeden mit jedermanns Freiheit nach einem allgemeinen Gesetze zusammen bestehen kann". das Prinzip zur Aufstellung der Tugendpflichten ist der kategorische Imperativ, insofern er die Beförderung der eigenen Vollkommenheit und fremder Glückseligkeit gebietet.

Zusätzlich sowohl zur Aufstellung des obersten moralischen Begründungsprinzips als auch der einzelnen Rechts- und Tugendpflichten behandelt Kant die Vorstellung von der Existenz Gottes und die Religion als Hilfen bei der Befolgung des Prinzips und der Pflichten. Der Glaube an Gott als Garanten dafür, dass die sittlich gut Handelnden auch glückselig werden, wie der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele und die Freiheit motivieren zur Befolgung des kategorischen Imperativs auch dann, wenn dieser Verzicht auf die eigenen Neigungen fordert. Ebenso ist die Kirche, die über den Staat als Rechtsgemeinschaft hinaus eine moralische Gesinnungsgemeinschaft unter Tugendgesetzen darstellt, bei der Erfüllung der Tugendpflichten hilfreich, da der Mensch den Hang hat, seinen Neigungen gegen seine Pflichten nachzugeben. "Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft" hat so keine Aufgabe bei der Begründung von Normen, wohl aber bei ihrer praktischen Umsetzung.

Ausgehend von dem v. a. in seiner Religionsphilosophie konstatierten Hang des Menschen zum Bösen, sieht Kant in sozialen Kategorien den Urzustand des Menschen in seiner "ungeselligen Geselligkeit": "Der Mensch kann seine Mitgenossen "nicht wohl leiden", aber er kann auch nicht von ihnen lassen" ("Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht", 1784). Ziel der Vergesellschaftung ist es, unter Ausnutzung dieses natürlichen Antagonismus eine bürgerliche und schließlich eine weltbürgerliche Gesellschaft aufzubauen, die nach den begründeten Rechtsgesetzen verfasst ist und so den "ewigen Frieden" sichern soll.]
(Quelle: Brockhaus - Die Enzyklopädie: in 24 Bänden. 20., neu bearbeitete Auflage. Leipzig, Mannheim: F. A. Brockhaus 1996-99.)

Die vier Kantischen Fragen:

Kant hat sich vier Fragen gestellt und diese zu beantworten versucht:
Was kann ich wissen? – in seiner Erkenntnistheorie
was soll ich tun? – in seiner Ethik
was darf ich hoffen? – in seiner Religionsphilosophie
was ist der Mensch? – in seiner Anthropologie

Werke (unvollständig)
1749: Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte
1755: Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels
1755: Meditationum quarundam de igne succincta delineatio (Dissertation über das Feuer)
1755: Neue Erhellung der ersten Grundsätze metaphysischer Erkenntnisse (Habilitation: Principiorum primorum cognitionis metaphysicae nova dilucidatio)
1756: Metaphysicae cum geometria iunctae usus in philosophia naturalis, cuius specimen I. continet monadologiam physicam (Lateinische Dissertation, auch kurz „Physische Monadologie“ benannt)
1756: Neue Anmerkungen zur Erläuterung der Theorie der Winde
1762: Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren
1763: Versuch, den Begriff der negativen Größen in der Weltweisheit einzuführen
1763: Untersuchung über die Deutlichkeit der Grundsätze der natürlichen Theologie und Moral
1763: Der einzig mögliche Beweisgrund zu einer Demonstration des Daseins Gottes
1764: Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen
1764: Über die Krankheit des Kopfes
1766: Träume eines Geistersehers, erläutert durch Träume der Metaphysik
1770: Über die Form und die Prinzipien der sinnlichen und intelligiblen Welt (Dissertation in Latein: de mundi sensibilis atque intelligibilis forma et principiis)
1775: Über die verschiedenen Rassen der Menschen
1781: 1. Auflage der Kritik der reinen Vernunft
1783: Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können
1784: Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht
1784: Beantwortung der Frage: was ist Aufklärung
1785: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten
1786: Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft
1786: Mutmaßlicher Anfang der Menschengeschichte
1787: 2., stark erweiterte Auflage der Kritik der reinen Vernunft
1788: Kritik der praktischen Vernunft
1790: Kritik der Urteilskraft
1793: Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft
1793: Über den Gemeinspruch: das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis
1794: das Ende aller Dinge (Religionsschrift)
1795: Zum ewigen Frieden. Ein philosophischer Entwurf
1797: Die Metaphysik der Sitten
1798: Der Streit der Fakultäten
1798: Anthropologie in pragmatischer Hinsicht abgefasst
1800: Logik – vom Schüler Jäsche nach Kants Vorlesungen erstellt
1802: Physische Geographie – vom Schüler Rink nach Kants Vorlesungen erstellt

1803: Über die Pädagogik – vom Schüler Rink nach Kants Vorlesungen erstellt


Ausgaben:

Gesammelte Schriften, herausgegeben von der königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften u. a., auf zahlreiche Bände berechnet (1910 folgende; bisher 29 Bände in 4 Abteilungen, teilweise Nachdruck);
Werke, herausgegeben von W. Weischedel, 6 Bände (1956?64, Nachdruck 1977).

(© Autor und Redaktion Gerd Gross)
Bibliographie:

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Ehrungen und Auszeichnungen:

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Sekundärliteratur

Einführendes:
Jean Grondin: Kant zur Einführung, Hamburg: Junius, 2004, 3. Auflage, ISBN 3885063638
Karl Jaspers: Kant. Leben, Werke, Wirkung. 2. Aufl. Piper München/Zürich 1983
Manfred Kühn: Kant. Eine Biographie. München 2003
Uwe Schultz: Immanuel Kant in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek erw. Neuaufl. 2003 (ISBN 3-499-50659-9)

Allgemeines:
Orlando Budelacci: Kants Friedensprogramm – das politische Denken im Kontext der praktischen Philosophie, Athena Verlag: Oberhausen 2003.
Ernst Cassirer: Kants Leben und Lehre. 2. Aufl. Berlin 1921; Nachdruck Darmstadt 1994
Steffen Dietzsch: Immanuel Kant. Eine Biographie. Reclam, Leipzig 2003. ISBN 3-379-00806-0
Manfred Geier: Kants Welt. Reinbek 2005 (ISBN 3-499-61365-4)
Volker Gerhardt: Immanuel Kant. Vernunft und Leben. Reclam Stuttgart 2002 (UB Nr. 18235)
Arsenij Gulyga: Immanuel Kant. Suhrkamp Frankfurt/M. 2004 (ISBN 3-518-45568-0)
Dietmar Heidemann, Kristina Engelhard (Hrsg.): Warum Kant heute?. de Gruyter 2003 Johannes Heinrichs, Das Geheimnis der Kategorien, Die Entschlüsselung von Kants zentralem Lehrstück, Berlin 2004; ISBN 3929010941
Otfried Höffe (Hrsg.): Kritik der praktischen Vernunft. 3. Aufl. München 1999
Otfried Höffe: Königliche Völker. Zu Kants kosmopolitischer Rechts- und Friedenstheorie. Suhrkamp Verlag Frankfurt a.M. 2001
Otfried Höffe: Immanuel Kant. 6. Aufl. Beck München 2004
Dieter Hüning und Burkhard Tuschling (Hrsg.): Recht, Staat und Völkerrecht bei Immanuel Kant. Marburger Tagung zu Kants „Metaphysischen Anfangsgründen der Rechtslehre“. Duncker & Humblot, Berlin 1998
Walter Patt: „Kants Kritik der Praktischen Vernunft. Eine Einführung“, 2. erweiterte Auflage, London: Turnshare 2005. ISBN 1-903343-78-X
Günther Patzig: Wie sind synthetische Urteile a priori möglich? In: Josef Speck (Hrsg.): Grundprobleme der großen Philosophen. Philosophie der Neuzeit II. Göttingen 1976
Giovanni Sala: Kants „Kritik der Praktischen Vernunft“, Darmstadt 2004. Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung. Erster Band. Anhang. Kritik der Kantischen Philosophie. F. A. Brockhaus, Leipzig 1859
Roger Scruton: Kant Herder Freiburg 1999 (ISBN 3451047381) (Übersetzt von M. Laube – Orig. ersch. 1982)
Dieter Sturma, Karl Ameriks (Hrsg.): Kants Ethik. Mentis Verlag Paderborn 2004
Karl Vorländer: Immanuel Kant, Der Mann und das Werk. 3. Aufl. Verlag Felix Meiner, Hamburg 1992. ISBN 3-7873-1084-3 (Erstauflage: 1911, Leipzig)

I. Kant. Sein Leben in Darstellungen von Zeitgenossen, herausgegeben von F. Gross (1912, Nachdruck 1968);
E. Cassirer: Kants Leben und Lehre (1918);
H. Cohen: Kants Theorie der Erfahrung (41925);
H. Ratke: Systematisches Handlexikon zu Kants Kritik der reinen Vernunft (1929, Nachdruck 1965);
R. Eisler: Kant-Lex. (1930, Nachdruck 1964);
R. Zocher: Kants Grundlehre (1959); K. Weyand: Kants Geschichtsphilosophie (1963);
G. Krüger: Philosophie und Moral in der kantischen Kritik (21967);
H. Saner: Kants Weg vom Krieg zum Frieden, Band 1: Widerstreit und Einheit (1967);
H. Hoppe: Kants Theorie der Physik (1969);
G. Martin: I. Kant. Ontologie und Wissenschaftstheorie (41969);
H. W. Zwingelberg: Kants Ethik und das Problem der Einheit von Freiheit und Gesetz (1969);
H. Heimsoeth: Studien zur Philosophie I. Kants, 2 Bände (1?21970?71);
N. Hinske: Kants Weg zur Transzendentalphilosophie (1970);
M. Heidegger: Kant u. das Problem der Metaphysik (41973);
Kant. Zur Deutung seiner Theorie von Erkennen und Handeln, herausgegeben von G. Prauss (1973);
Materialien zu Kants Kritik der Urteilskraft, herausgegeben von J. Kulenkampff (1974);
Materialien zu Kants Rechtsphilosophie, herausgegeben von Z. Batscha (1976);

V. Gerhard und F. Kaulbach: Kant (1979);
S. Koerner: Kant (aus dem Englischen, 21980);
Materialien zu Kants 'Kritik der reinen Vernunft', herausgegeben von J. Kopper u. a. (21980);
200 Jahre Kritik der reinen Vernunft, herausgegeben von demselben u. a. (1981);
F. Kaulbach: I. Kant (21982);
G. Patzig: Ethik ohne Metaphysik (21983);
Materialien zu Kants 'Kritik der praktischen Vernunft', herausgegeben von R. Bittner u. a. (21985);
Kant. Analysen - Probleme - Kritik, herausgegeben von H. Oberer, 3 Bände (1988-97);
H. M. Baumgartner: Kants 'Kritik der reinen Vernunft' (41996);
Kant in der Diskussion der Moderne, herausgegeben von G. Schönrich und Y. Kato (1996);
Uwe Schultz: Immanuel Kant (112.-114. Tausend 1997);
O. Höffe: Immanuel Kant (52000);
M. Kuehn: Kant. A biography (Cambridge 2001).

Hilfsmittel:
Rudolf Eisler: Kant Lexikon. Olms Hildesheim u. a. 1984 (ISBN 3487007444)
Gerd Irrlitz: Kant-Handbuch. Leben und Werk. Stuttgart/Weimar 2002

(© 01.01.2007 Autor und Redaktion Gerd Gross) (letzte Änderung 01.01.2007)
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