Deutschsprachige Schriftsteller
Erich Kästner

{Text1.1}

Biographie:

Erich Kästner, Pseudonym Melchior Kurtz, Pseudonym Berthold Bürger ; * Dresden 23. 02. 1899, † München 29. 07. 1974; war ein deutscher Dichter der Neuen Sachlichkeit, Drehbuchautor und Kabarettist:

wird in der Königsbrücker Straße in der Äußeren Neustadt von Dresden als Sohn der späteren Friseuse Ida Kästner (* 1871 - † 1951) und des Sattlermeisters Emil Richard Kästner (* 1867 - † 1957) geboren. Zu seiner Mutter hat er Zeit ihres Lebens ein sehr pathologisches intensives Verhältnis, mehr als 30 Jahre lang schreiben sie sich fast täglich Briefe. 1906 erfolgt die Einschulung in Dresden; 1913 Eintritt in das Freiherrlich von Fletscher'sche Lehrer-Seminar. Nach 3 Jahren bricht E. K. kurz vor Beendigung der Ausbildung zum Volksschullehrer ab. 1917 wird er zum Wehrdienst zur schweren Artillerie eingezogen, und wegen Herzleidens 1918 entlassen. Seine hart erfahrene militärische Ausbildung lassen ihn zeitlebens zum Antimilitaristen werden. Er besucht den zuvorabgebrochenen Abschlußkursus im Strehlener Lehrerseminar. 1919 besucht E.H. als Hospitant das König-Georg-Gymnasium und erhält das Goldene Stipendium der Stadt Dresden. Erste Gedichtveröffentlichungen in der Schülerzeitung des Gymnasiums. Studienbeginn in Leipzig - später auch Rostock und Berlin - mit den Fächern Germanistik, Geschichte, Philosophie und Theatergeschichte. Sein Studium finanziert E.K. aus eigenen Einnahmen als Journalist und Theaterkritiker für das Feuilleton der "Neuen Leipziger Zeitung". 1925 promoviert E.K. zum Dr. phil mit dem Thema: Die Erwiderungen auf Friedrichs des Großen: Schrift "De la littérature allemande". .;

Aufgrund der Veröffentlichung eines erotisch relativ freizügigen Gedichts, wird Kästner von der "Neuen Leipziger Zeitung" 1927 entlassen und zieht nach Berlin. Dort arbeitet er als Theaterkritiker und freier Mitarbeiter bei verschiedenen Zeitungen, unter anderem der pazifistischen "Weltbühne", die von Carl von Ossietzky herausgegeben wird und für die eine Reihe prominenter Schriftsteller, wie Lion Feuchtwanger und Ernst Toller schreiben. Er publiziert seine Gedichte, Glossen, Reportagen und Rezensionen in verschiedenen Periodika Berlins; das Berliner Tageblatt und die Vossische Zeitung.

Im Gegensatz zu fast allen seinen regimekritischen Kollegen emigriert Kästner nach der (NS-)Machtergreifung am 30. Januar 1933 nicht. Zwar fährt er unmittelbar danach für kurze Zeit nach Meran und in die Schweiz und trifft emigrierte Kollegen. Dennoch kehrt er nach Berlin zurück. Kästner begründet diesen Schritt u.a. damit, dass er vor Ort Chronist der Ereignisse sein will. Mindestens genauso wichtig ist: er will seine Mutter nicht alleine lassen. Mit dem Epigramm Notwendige Antwort auf überflüssige Fragen (aus: "Kurz und bündig") liefert er gewissermaßen selbst auch eine Antwort:

"Ich bin ein Deutscher aus Dresden in Sachsen. Mich läßt die Heimat nicht fort. Ich bin wie ein Baum, der – in Deutschland gewachsen – wenn's sein muß, in Deutschland verdorrt."

1933 erfolgen Verbot und Verbrennung verschiedener Arbeiten von Kästner durch die Nationalsozialisten: die Gedichtbände "Herz auf Taille" (1928), "Ein Mann gibt Auskunft" (1930), "Gesang zwischen den Stühlen" (1932) und sein satirischer Roman "Fabian" (1931). Kästner wird erstmals von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) verhaftet. 1937 und 1940 wiederholte Verhaftungen. Unter Pseudonym "Berthold Bürger" schreibt Kästner das Drehbuch für den Ufa-Jubiläumsfilm "Münchhausen". Kästner erhält totales Schreibverbot durch die Nationalsozialisten. Dennoch emigriert er nicht. Seine Romane "Drei Männer im Schnee" (1934), und "Georg und die Zwischenfälle" (1938) können nur im Ausland veröffentlicht werden. Anfang 1945 gelingt es ihm, mit einem Filmteam zu angeblichen Dreharbeiten nach Mayrhofen in Tirol zu reisen, dort erlebt er das Kriegsende. Diese Zeit hält er in einem 1961 unter dem Titel Notabene 45 veröffentlichten Tagebuch fest.

Im Herbst 1945 ist er Mitbegründer des literarischen Kabaretts "Die Schaubude" in München, sowie "Die kleine Freiheit" (ab 1951) und für den Hörfunk. In dieser Zeit entstehen zahlreiche Nummern, Lieder, Hörspiele, Reden und Aufsätze, die sich mit dem Nationalsozialismus, dem Krieg und der Realität im zerstörten Deutschland auseinander setzten, u.a. das "Marschlied" 1945, das "Deutsche Ringelspiel" und das Kinderbuch "Die Konferenz der Tiere". Neben Gedichten und Romanen schreibt er geistreiche Feuilletons bei der "Neuen Zeitung", Theaterstücke ("Die Schule der Diktatoren", 1956), Filmdrehbücher und Romane für Kinder, die in neuartiger Weise spannende Geschichten mit erzieherischen Tendenzen verknüpfen. 1946 wird E.K. Herausgeber der Jugendzeitschrift "Der Pinguin". 1947 reist er erstmalig zum Internationalen PEN-Kongreß in Zürich und wird 1957-62 w zum Präsident des P.E.N.-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland ernannt. 1957 Uraufführung des Dramas "Die Schule der Diktatoren" daraufhin erhält er den Georg-Büchner-Preis.

Kästner blieb lebenslang unverheiratet. Seine beiden letzten Kinderbücher (Der kleine Mann und Der kleine Mann und die kleine Miss) verfasste er für seinen 1957 geborenen Sohn Thomas, der bei seiner Mutter Fridine Siebert in Berlin aufwächst. Tod von Kästners Vater. 1958 Rede zum 25. Jahrestag der Bücherverbrennung auf dem PEN-Kongreß in Hamburg. 1961 Publikation von "Notabene 45: Ein Tagebuch", nach Tagebuchaufzeichnungen Kästners aus der Zeit von März bis August 1945. 1963 Publikation von "Der kleine Mann", ein Roman für Kinder. 1974 29. Juli: Erich Kästner stirbt im Alter von 75 Jahren in München.

Wirken:

Zu den ersten Veröffentlichungen gehören die Gedichtbände "Herz auf Taille" (1928), "Lärm im Spiegel" (1929) u. a. aktuelle, zeitkritische, politisch-satirische Gedichte und Texte für das Kabarett sowie der satirische Roman "Fabian" (1931), in denen er sich mit treffsicherem Witz gegen spießbürgerliche Moral, Militarismus und Faschismus wendet. Veröffentlichungen von Kinderromanen wie "Emil und die Detektive" (1929), "Pünktchen und Anton" (1931), "Der 35. Mai" (1931) und "Das fliegende Klassenzimmer" (1933). "Emil und die Detektive" gehört zu Kästners erfolgreichsten Werken; sie werden in 24 Sprachen übersetzt und verfilmt.

Die Gedichtbände "Herz auf Taille" (1928), "Ein Mann gibt Auskunft" (1930), "Gesang zwischen den Stühlen" (1932) und sein satirischer Roman "Fabian" (1931). In diesen Büchern wendet sich Kästner mit treffsicherem Witz gegen spießbürgerliche Moral, Militarismus und Faschismus.

Kästners Optimismus der unmittelbaren Nachkriegszeit weicht umso mehr der Resignation, wie die Westdeutschen mit Währungsreform und Wirtschaftswunder versuchen, zur Tagesordnung überzugehen. Hinzu kommen die bald erstarkenden Stimmen für eine Remilitarisierung. Seinem Anti-Militarismus bleibt Kästner treu - er tritt bei Ostermärschen als Redner auf und wendet sich später auch entschieden gegen den Vietnamkrieg. Er veröffentlicht jedoch immer weniger, wozu auch sein zunehmender Alkoholismus beigetragen hat. Kästner findet keinen Anschluss an die Nachkriegsliteratur und wird in den 50er und 60er Jahren überwiegend als Kinderbuchautor wahrgenommen und gewürdigt. Die Wiederentdeckung seines literarischen Werks aus der Zeit der Weimarer Republik beginnt erst ab den 70er Jahren (Fabian wird erst 1980 verfilmt).



Auszeichnungen und Ehrungen:

1959 Auszeichnung mit dem Großen Bundesverdienstkreuz

1951 erhielt er für das beste Drehbuch (für den Film Das doppelte Lottchen) das Filmband in Gold
1957 Verleihung des Georg-Büchner-Preises.
1960 folgte der Hans-Christian-Andersen-Preis
1968 der Lessing-Ring
1968 dem Literaturpreis der deutschen Freimaurer
1970 Kästner erhält den kulturellen Ehrenpreis der Stadt München.

1999 Große Kästnerausstellung "Die Zeit fährt Auto. Erich Kästner zum 100. Geburtstag" in Berlin und München

Weitere Werke:

Kinderbücher:

Pünktchen und Anton (1930);
Das fliegende Klassenzimmer (1933);
Das doppelte Lottchen (1949);
Die Konferenz der Tiere (1950);
Der kleine Mann (1963);
Der kleine Mann und die kleine Miss (1967).

Gedichte:

Ein Mann gibt Auskunft (1930);
Gesang zwischen den Stühlen (1932);
Dr. E. Kästners lyrische Hausapotheke (1936).

Romane:

Drei Männer im Schnee (1934);
Die verschwundene Miniatur (1936);
Georg und die Zwischenfälle (1938; 1949 unter dem Titel Der kleine Grenzverkehr);
Der Zauberlehrling (1974).

Autobiografisches:

Als ich ein kleiner Junge war (1957);
Notabene 45 (1961).

Ausgaben:

Gesammelte Schriften, 7 Bände (31965);
Gesammelte Schriften für Erwachsene, 8 Bände (Neuausgabe 1979);
Taschenbuchausgabe in 15 Einzelbänden (1988-89);
Kästner für Kinder, 2 Bände (Neuausgabe 1989).

(© Autor und Redaktion Gerd Gross)
Bibliographie:

{Text20.3}

Ehrungen und Auszeichnungen:

{Text20.4}

Sekundärliteratur

R. Benson: E. Kästner. Studien zu seinem Werk (21976);
D. Mank: E. Kästner im nationalsozialistischen Deutschland (1981);
E. Kästner. Werk und Wirkung, herausgegeben von R. Wolff (1983);
L. Enderle: E. Kästner. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten (71.-73. Tausend 1993);
H. Bemmann: Humor auf Taille. E. Kästner - Leben und Werk (Neuausgabe 1994);

K. Kordon: Die Zeit ist kaputt. Die Lebensgeschichte des E. Kästner (1994).

(© 01.01.2007 Autor und Redaktion Gerd Gross) (letzte Änderung 01.01.2007)
Wenn sich Fehler auf dieser Seite eingeschlichen haben, dann schreiben sie uns!

Kontaktformular

Sie sind an einer Mitarbeit interessiert?
Wir freuen uns auf Sie.
  • Abbild - Kontaktformular
  • Yahoo
  • Google Literatur Forum  
  • Google
  •  
     


    Verantwortlich für Idee,

    Konzeption und Durchführung.

    © für Layout

    Gerd Groß