Deutschsprachige Schriftsteller
Peter Handke

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Biographie:

Peter Handke; * 06. 12. 1942 in Griffen Kärnten; ist österreichischer Schriftsteller und Übersetzer der Modernen Literatur;

wird als einziger Sohn in Griffen/Kärnten als Sohn eines deutschen Soldaten geboren. Nach 2 Jahren ziehen seine Mutter und P. H. nach Berlin, später wieder zurück nach Griffen. Seine Kindheit geprägt durch seinen alkoholsüchtigen Stiefvaters Bruno Handke, ein Berliner Straßenbahnfahrer und seinem sozialen Umfeld in Griffin, bestimmen seine weiteres Verständnis für die Problematiken seiner Umwelt. Besucht 1954 in Tanzenberg das Knabeninternat ein katholisch-humanistischen Gymnasiums, an dem seine ersten literarischen Texte für die Internatszeitung "Fackel" erscheinen. 1961 schließt P. H. seine schulische Laufbahn in Klagenfurt mit Abitur ab und beginnt 1961 mit dem Jurastudium in Graz. Seitdem gilt er als freier Schriftsteller, kommt mit der Grazer Gruppe "Forum Stadtpark“ in Kontakt und publiziert in der Zeitschrift "manuskripte" Prosatexte. Eine erste Mitarbeit beim Rundfunk öffnen ihn neue Perspektiven.

Nach der Veröffentlichung seines ersten Romans "Die Hornissen“, bricht P.H. 1965 sein Jura Studium ab und lebt nun als Berufsschriftsteller. P. H. Frühwerk widmet sich sprachkritischen Betrachtungen, die unter anderem Bertolt Brecht oder die zeitgenössischen Theaterschriftsteller zum Gegenstand haben. Auf einer Tagung in Princeton der „Gruppe 47“ äußert er sich 1966 mit einem spektakulären Auftritt dazu, wo er sein provokantes Stück "Publikumsbeschimpfung vorstellte".

Ein wichtiges Themenwerk für P. H. ist "Kaspar“ (1968). Bereits der Titel verweist auf den Findling "Kaspar Hauser". Handke macht in diesem Werk auf die Bestimmbarkeit und Einflussnahme der Sprache aufmerksam. Auch in weiteren Arbeiten wendet sich Handke kritisch den konventionalisierten Wahrnehmungs- und Erfahrungsweisen durch die Sprache zu. Handke fordert von der Literatur die Auflösung konventionalisierter Bedeutungen. Diese Fähigkeit spricht er der beschreibenden Literatur mit dem Anspruch des Realismus ab.

Gilt als Gründungsmitglied (1969) vom Frankfurter "Verlag der Autoren" Sie ist eine lose Gruppierung von Autoren, deren Werke von keinem größeren Verlag veröffentlicht werden. Trotz der allgemeinen Ablehnung durch die großen Verlage ist eine Plattform geschaffen worden, um die Werke zu veröffentlichen.

Von 1969 bis 1970 lebt Handke in Paris, kehrt danach wieder nach Deutschland zurück. In seiner Erzählung „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ (1970) setzt P. H. selbst traditionelle Erzählweisen ein und löst sich von der Abstraktheit seiner Reflexionsarbeit über die Sprache und das Erzählen. Dennoch handelt das Stück von der durch Sprache beeinflussten Wahrnehmung. In seiner nachfolgenden Erzählung "Der kurze Brief zum langen Abschied“ (1972) beginnt eine thematische Reihe über das Verhältnis von "Ich und Welt" sowie dem individuellen Selbstfindungsprozess. Zu diesen Themenwerken zählen unter anderem Titel wie „Wunschloses Unglück“ (1972), „Die Stunde der wahren Empfindung“ (1975) oder „Die linkshändige Frau“ (1976), die zum Teil mit autobiographischen Teilen versetzt sind. Einige dieser Werke weisen einen hohen Schreibstil auf oder Mythisierungen, wodurch sie eine besondere Qualität erhalten – so zum Beispiel die Werke „Lange Heimkehr“(1979), „Die Lehre der Sainte-Victoire“ (1980), „Kindergeschichte“ (1981) und „Über die Dörfer. Dramatisches Gedicht“ (1981) der Tetralogie „Lange Heimkehr“.

1973-77 ist er Mitglied der Grazer Autorenversammlung. Nach verschiedenen Wohnortwechsel: Graz, Düsseldorf, Berlin, Paris, Kronberg im Taunus, in den USA (1978-79), Salzburg (1979-88) lebt seither in Chaville (Frankreich) und in Salzburg.

Er hat eine inzwischen erwachsene Tochter (Amina Handke, die Malerei und Visuelle Mediengestaltung studiert hat).

Seit 2001 ist die Schauspielerin Katja Flint (* 11. 11. 1960 in Stadthagen) seine Lebensgefährtin.

Wirken:

Peter Handke gilt als einer der herausragenden Autoren Österreichs. Sein Frühwerk thematisiert seine sprachkritische Haltung – unter anderem gegenüber Bertold Brecht und dem modernen Theater. Seine kritischen Reflexionen erfassen die konventionalisierten Erfahrungs- und Wahrnehmungsweisen. Doch mit seinen Erzählungen nähert sich Handke selbst traditionellen Erzähltechniken. Vielfach stellen seine Prosawerke das Verhältnis von "Ich und Welt" dar sowie individuelle Selbstfindungsvorgänge. Mit provozierenden öffentlichen Auftritten und experimentellen Sprachspielen wie die Publikumsbeschimpfung (1966), die Konventionen des Romans und Theaters in Frage stellen. Seit den siebziger Jahren Hinwendung zu einem abgehobenen poetisch-subjektivistischen Stil der Innerlichkeit.

Über das Schreiben reflektiert Peter Handke in seinem Erzählstück "Die Wiederholung“ (1986) und in anderen Werken. Seine umfangreichste Arbeit trägt den Titel "Mein Jahr in der Niemandsbucht. Ein Märchen aus der neuen Zeit“ (1994). Darin beschreibt der Schriftsteller das Entstehen des Werkes. Aber es werden auch Themen und Szenen aus dem früheren Schaffen von P. H. wiederholt aufgenommen. Einen Rückblick auf seine Tätigkeiten enthält auch der Titel "In einer dunklen Nacht ging ich aus meinem stillen Haus“ (1997).

Die Literaturkritiker diskutieren den Autor Peter Handke und seine Werke kontrovers. Die urteilende Bandbreite erstreckt sich von der Bewunderung bis zur Polemik. Einerseits werden an ihm der literarische Individualismus und die Exaktheit seines Sprachausdruckes gelobt, andererseits stehen dem die Vorwürfe der Realitätsferne und des falschen Pathos gegenüber.

Auszeichnungen:

1967 Gerhart-Hauptmann-Preis
1973 Schillerpreis der Stadt Mannheim
1973 Büchner-Preis
1978 Prix Georges Sadoul
1985 Literaturpreis der Stadt Salzburg
1995 Schiller-Gedächtnispreis
2004 Siegfried-Unseld-Preis

Werke:

"Die Hornissen", Roman, 1966
"Publikumsbeschimpfung und andere Sprechstücke", 1966, uraufgeführt unter der Regie von Claus Peymann
"Begrüßung des Aufsichtsrates", 1967
"Der Hausierer", 1967
"Kaspar", 1967
"Deutsche Gedichte", 1969
"Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt", 1969.
"Prosa, Gedichte, Theaterstücke, Hörspiele, Aufsätze", 1969
"Das Mündel will Vormund sein", Regie: Claus Peymann, Theater am Turm, 1969
"Die Angst des Tormanns beim Elfmeter", Drehbuch, 1970, verfilmt von Wim Wenders, ORF, WDR, 1972
"Geschichten aus dem Wienerwald von Ödön von Horvath", Nacherzählung, 1970
"Wind und Meer. Vier Hörspiele", 1970
"Chronik der laufenden Ereignisse", 1971
"Der Ritt über den Bodensee",1971
"Der kurze Brief zum langen Abschied", 1972
"Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms", 1972
"Stücke 1", 1972
"Wunschloses Unglück", 1972
"Die Unvernünftigen sterben aus", 1973, Regie: Horst Zankl, Zürich: Theater am Neumarkt, 1974
"Stücke 2", 1973
"Als das Wünschen noch geholfen hat. Gedichte, Aufsätze, Texte, Fotos", 1974
"Der Rand der Wörter. Erzählungen, Gedichte, Stücke", 1975
"Die Stunde der wahren Empfindung", 1975
"Falsche Bewegung", 1975
"Die linkshändige Frau", 1976, verfilmt 1977
"Das Ende des Flanierens. Gedichte", 1977
"Das Gewicht der Welt. Ein Journal", 1977
"Langsame Heimkehr", 1979
"Die Lehre der Sainte-Victoire", 1980
"Über die Dörfer",1981
"Die Geschichte des Bleistifts", 1982
"Der Chinese des Schmerzes", 1983
"Die Wiederholung", 1986
"Der Himmel über Berlin", mit Wim Wenders, 1987
"Die Abwesenheit. Ein Märchen", 1987, verfilmt in der Regie des Autors 1992
"Gedichte", 1987
"Nachmittag eines Schriftstellers", 1987
"das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land", 1989
"Versuch über die Müdigkeit", 1989
"Noch einmal für Thukydides", 1990
"Versuch über die Jukebox", 1990
"Abschied des Träumers vom Neunten Land", 1991
"Versuch über den geglückten Tag. Ein Wintertagtraum", 1991
"Die Stunde, da wir nichts voneinander wußten. Ein Schauspiel", 1992, Uraufführung unter der Regie von Claus Peymann, Wien, Burgtheater, 1992
"Die Theaterstücke", 1992
"Drei Versuche. Versuch über die Müdigkeit. Versuch über die Jukebox. Versuch über den geglückten Tag", 1992
"Langsam im Schatten. Gesammelte Verzettelungen 1980-1992", 1992
"Die Kunst des Fragens", 1994
"Mein Jahr in der Niemandsbucht. Ein Märchen aus den neuen Zeiten", 1994
"Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien", 1996
"Sommerlicher Nachtrag zu einer winterlichen Reise", 1996
"Zurüstungen für die Unsterblichkeit. Königsdrama", Regie: Claus Peymann, Wien, Burgtheater, 1997
"In einer dunklen Nacht ging ich aus meinem stillen Haus", 1997
"Am Felsfenster morgens. Und andere Ortszeiten 1982 - 1987", 1998
"Ein Wortland. Eine Reise durch Kärnten, Slowenien, Friaul, Istrien und Dalmatien" mit Liesl Ponger, 1998
"Die Fahrt im Einbaum oder das Stück zum Film vom Krieg", 1999, Uraufführung am Wiener Burgtheater "Die Stunde der wahren Empfindung", 1999
"Die Wiederholung", 1999 "Lucie im Wald mit den Dingsda. Mit 11 Skizzen des Autors", 1999
"Unter Tränen fragend. Nachträgliche Aufzeichnungen von zwei Jugoslawien-Durchquerungen im Krieg, März und April 1999", 2000
"Mein Jahr in der Niemandsbucht. Ein Märchen aus den neuen Zeiten", 2000
"Der Bildverlust oder Durch die Sierra de Gredos", 2002
"Mündliches und Schriftliches. Zu Büchern, Bildern und Filmen 1992-2000", 2002

(© Autor und Redaktion Gerd Gross)
Bibliographie:

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Ehrungen und Auszeichnungen:

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Sekundärliteratur

http://www.hausarbeiten.de/archiv/deutsch/ deutsch-handke1.shtml - Ein Referat von Christian Freyschlag zu Handkes "Der kurze Brief zum langen Abschied".
http://www.mauthner-gesellschaft.de/mauthner/intro/handke2.html - Ein sprachkritischer Text Handkes: "Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms".
http://www.mauthner-gesellschaft.de/mauthner/tex/handke1.html - Günter Saße über Peter Handkes "Kaspar".
http://www.hawickert.de/handke1.htm - Michael Börgerding und Hartmut Wickert über Handkes "Zurüstungen für die Unsterblichkeit".
http://www.literaturhaus.at/buch/buch/rez/handkebildverlust/ - Rezension von "Der Bildverlust oder Durch die Sierra de Gredos". Von Klaus Kastberger. Januar 2002.
http://www.literaturhaus.at/buch/buch/rez/handkenacht/ - Rezension von "In einer dunklen Nacht ging ich aus meinem stillen Haus". Von Susanne Zobl. August 1997.
http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/nullpunkt/pdf/ handke_drei_lesungen_des_gesetzes.pdf - Mireille Tabah schreibt über "Die drei Lesungen des Gesetzes".

(© 01.01.2007 Autor und Redaktion Gerd Gross) (letzte Änderung 01.01.2007)
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