Deutschsprachige Schriftsteller
Gottfried von Straßburg

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Biographie:

Gottfried von Straßburg, *1165 oder 1180; † um 1215/20 ; war einer der bedeutendsten deutschen Dichter des Mittelalters:

lebt Ende des 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts in Straßburg, war Zeitgenosse von Hartmann von Aue, Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide und gehört zu den großen Epikern der Stauferzeit.

Seine Lebensumstände liegen weitgehend im Dunkeln. Seine Herkunftsbezeichnung ist durch verschiedenste Dichtererzeugnisse gewährleistet und weisen auf Straßburg als Aufenthaltsort hin. Dieser Befund wird gestützt durch die Überlieferungslage des "Tristan", denn ein Großteil der ältesten Handschriften stammt aus dem Elsaß. Keine Chronik oder Urkunde bezeugt uns die historische Existenz des Literaten. Sicher nicht adlig, lässt sich aus den Zeugnissen seiner Kollegennennungen schließen, die ihn niemals den Titel "hêr" sondern allenfalls mit "meister" bezeichnen, ist Gottfried ein städtischer Dichter von hoher (u. a. lateinischer artistischer) Bildung gewesen. Durch gelehrte Bildung in Theologie, Mythologie, Musik, Rechtskunde, Philosophie, ritterlichen Bräuchen und höfischen Lebensunterhaltung seinen dichtenden Zeitgenossen fast alle überragend, verfasst er um 1210 die große epische Dichtung "Tristan und Isolde“, bestehend aus unvollendeten und abgebrochen 19548 Versen. Er stirbt vor der Vollendung zwischen 1210 und 1220.

Der Stoff seines Epos gehört dem bretonischen Sagenkreis an. G. v. S. greift gleich zwei Mal auf den Stoff des normannischen Dichter Béroul zu, der in seinem 1170 -1190 fragmentarisch überlieferten "Tristan" Roman als erster Autor gilt. Mit dieser Version eng verwandt ist der frühhöfische "Tristant", hinter dessen Verfasser Eilhart von Oberg (*1189 - † 1209 als Braunschweigischen Ministerialen namens Eilhardus de Oberch nachgewiesen) vermutet wird. Die Datierung des Werkes, das uns unvollständig, wenn auch zum großen Teil in späterer, mangelhafter Bearbeitung erhalten und deshalb bis ins 13. Jahrhundert hinein die einzige abgeschlossene Darstellung des "Tristan" Stoffes ist, bereitet erhebliche Schwierigkeiten; sie schwankt zwischen 1170 und 1190. Die Fassungen von Béroul und Eilhart werden der spielmännischen Stofftradition zugerechnet. Sie sind realistischer, naiver, welthaltiger und in ihrer Erzählstruktur gröber als die höfische Bearbeitung von G. v. S..

Die romanische oder irische "Tristansage" ist früh ins Französische, Englische, Spanische, Dänische, Norwegischen, Slawische (Böhmische) und selbst im Mittelgriechischen übersetzt worden und wurde mehrfach dichterisch bearbeitet. Thomas d' Angleterre (ca. 12 Jahrhundert, englischer Hof Heinrichs II) bemerkt in seiner höfischen Version des "Tristan"( ca 1170), die nur in Fragmenten erhalten blieb: "cest cunte est mult divers" (die Geschichte wird höchst unterschiedlich erzählt). Einen Vergleich zu den Epen ist nur bedingt an kleinen erhaltenen Fragmente möglich. Einigermaßen ersetzt wird diese Quelle durch das Vorhandensein einer nordischen Prosaübersetzung: "Tristrams Saga ok Isondar“. Auf hohem reflektorischem Niveau wird die alle geltenden Normen übersteigende Macht der Liebe gestaltet, die in ihrer fast religiös-mystischen Absolutheit die Liebenden in ihrem Konflikt zwischen Minne und gesellschaftlicher Ehre (çre) zugrunde richtet. Tristan repräsentiert über den traditionellen ritterlichen Helden hinaus mit seiner vielseitigen Bildung (umfassende Sprachkenntnisse, poetische und musikalische Fähigkeiten, höfisch-praktische Künste) einen neuen Typus adliger Lebensform. Der Vergleich zeigt, dass die meisten Züge der Handlung schon dem Original angehören. Der Gang der Erzählung in "Tristan und Isolde“ ist im wesentlichen folgender:

Tristan, der Sohn Riwalins von Parmenien und Blancheflurs, der Schwester Markes von Cornwall, wird nach dem frühen Tod seiner Eltern von dem treuen Marschall seines Vaters, Rual li Foitenant, erzogen und kommt nach mannigfachen Abenteuern zu seinem Oheim, König Marke von Cornwall.
Nachdem Tristan seinem Onkel gegen Morold, einen Gesandten aus Irland, der Tributforderungen überbrachte, eingeholfen, Morold im Zweikampf besiegt und getötet hat, muss er nach Irland reisen, da er sich von Morolds vergiftetem Schwert eine tödliche Verwundung zugezogen hat. Nur die Königin Isolde von Irland verfügt über die Kenntnisse und Fähigkeiten, diese Wunde zu heilen. Mit einer List verbirgt Tristan seine Identität, indem er sich als Spielmann Tantris ausgibt, da er Rache befürchten muss, und wird schließlich geheilt. Er wird auf die schöne Königstochter Isolde Blondhaar aufmerksam, der er Unterricht erteilt.
Nach Tristans Rückkunft in Cornwall sendet Marke ihn aus, um bei König Gurmun und Königin Isolde von Irland für ihn um Isolde Blondhaars Hand anzuhalten, deren Schönheit ihm von Tristan berichtet worden war. Tristan erlegt in Irland zunächst einen Drachen, auf dessen Tötung der König seine Tochter als Preis ausgesetzt hatte. Tristan wird als Spielmann Tantris wiedererkannt. Seine wahre Identität als Besieger Morolds wird aber offengelegt. Dennoch verständigen sich der König, seine Frau und seine Tochter darauf, Tristan am Leben zu lassen und ihm Isolde für König Marke mitzugeben. Beide reisen zu Schiff ab. Brangaene, eine der Jungfrauen in Isoldes Gefolge, erhält von der Königin heimlich einen Minnetrank, den sie Isolde und ihrem Gemahl bei der Hochzeit zu trinken geben soll, damit beide mit unwandelbarer Treue aneinander gekettet würden.
Es ereignet sich aber, dass Tristan und Isolde durch ein Missgeschick auf der Überfahrt den Zaubertrank, ohne von der Wirkung desselben zu wissen, trinken; gleich werden ihre Herzen von unwiderstehlicher Liebe zu einander ergriffen. Isolde wird Markes Gemahlin, den nun das in allen Künsten der Liebesklugheit meisterhaft gewandte Paar fort und fort betrügt.
Nach einer langen Reihe solcher Abenteuer endlich von Marke entdeckt, zieht Tristan in die Normandie und knüpft hier mit einer anderen Isolde („Isolde Weißhand“), durch die Namensähnlichkeit verwirrt, eine neue Liebschaft an, ohne sich jedoch befriedigt zu fühlen und ohne die frühere Isolde vergessen zu können.
Mit der Schilderung dieses Zwiespalts in Tristans Seele bricht Gottfrieds Gedicht ab.

"Tristan und Isolde“ wird zu den schönsten epischen Gedichten des deutschen Mittelalters gezählt. An Klarheit und Durchsichtigkeit der Darstellung, an zauberischem Reiz leichten Gedankenflusses, an plastischer Geschlossenheit und konsequenter Durchführung der Gestalten, an melodischem Wohllaut der Sprache und des Reims sucht Gottfrieds Dichtung in der ganzen höfischen Epik, sowie im Volksheldengesang der besten Zeit mittelhochdeutscher Poesie ihresgleichen.

Wer eine so wunderbar genaue Kenntnis des menschlichen, zumal des weiblichen Herzens bekundet, wer den "sehnenden Zwang“ der Minne so unvergleichlich innig, so in zartester Milde wie in brennendster Glut zu schildern weiß wie Gottfried, dem kann man nicht ohne schwere Ungerechtigkeit die seelischen Eigenschaften, welche dem Dichter am wesentlichsten sind, absprechen. Wir besitzen von Gottfried auch einige lyrische Gedichte.

Besonders herausragende, vielfach kontrovers gedeutete Passagen sind der strophische Prolog, mehrere Namensakrosticha, der Literaturexkurs (Vers 4 589-4 820), in dem er, ohne Namensnennung, Wolfram von Eschenbach wegen seines dunklen Stils tadelt, und die Minnegrottenepisode (Vers 16 403-17 772; die Minnegrotte erscheint als paradiesischer Fluchtort der Liebenden für eine gewisse Zeit, deutbar als positive Allegorie der Minne). Stilbildend wirkte die Artistik der Sprache, die wegen ihrer virtuosen Eleganz - hohe Musikalität und Leichtigkeit, rhetorische Durchformung und anspielungsreiche Vielschichtigkeit - bewundert und oft nachgeahmt wurde. Die späteren Ergänzungen des Torsos durch Ulrich von Türheim (um 1230/35) und Heinrich von Freiberg (um 1290) erreichen nicht das Niveau Gottfrieds. Die ihm sonst noch zugeschriebenen Dichtungen (ein Minnelied, ein Sangspruch, ein religiöses Lied und ein Spruch "Vom gläsernen Glück") sind in ihrer Zuordnung umstritten.

Ausgaben:

Tristan und Isold, herausgegeben von F. Ranke (1958, Nachdruck 1978);
Tristan, nach der Ausgabe von R. Bechstein herausgegeben von P. Ganz, 2 Bände (1978);
Tristan, nach dem Text von F. Ranke neu herausgegeben von R. Krohn, 3 Bände (2-31981-85).

(© Autor und Redaktion Gerd Gross)
Bibliographie:

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Ehrungen und Auszeichnungen:

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Sekundärliteratur

F. Ranke: Die Allegorie der Minnegrotte in Gottfrieds Tristan (1925);
G. Weber: Gottfrieds von Straßburg Tristan und die Krise des hochmittelalterlichen Weltbildes um 1200, 2 Bände (1953);
H.-H. Steinhoff: Bibliographie zu Gottfried von Straßburg, 2 Bände (1971-86);

Gottfried von Straßburg, herausgegeben von A. Wolf (1973);
G. Weber und W. Hoffmann: Gottfried von Straßburg (51981);
L. Okken: Kommentar zum Tristan-Roman Gottfrieds von Straßburg, 2 Bände (Amsterdam 1984-85);
W. Schröder: Kleinere Schriften, Band 5: Über Gottfried von Straßburg (1994).

(© 01.01.2007 Autor und Redaktion Gerd Gross) (letzte Änderung 01.01.2007)
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