Deutschsprachige Schriftsteller
Rudolf Baumbach

auch: Paul Bach; * 28.09.1840 Kranichfeld/Ilm, † 21.09.1905 Meiningen; war ein deutscher Dichter und Schriftsteller des Jugendstils.

Biographie:

Als Sohn eines herzoglichen Hofarztes von Sachsen-Meiningen geboren. Mit seiner Familie zog er im Alter von zwei Jahren nach Meiningen in dem auch seine Großeltern wohnten. Er war das älteste von vier Kindern, kurz nach der Geburt verstarb eins seiner Geschwister. Bereits im Jahre 1847 starb sein Vater an Typhus; er infizierte sich an der Krankheit, weil er der einzige Typhus behandelnde Arzt in seinem Ort war.

Als sieben Jähriger wurde er in der Obhut von Großeltern und Mutter erzogen, nach dem Besuch im Meiniger Gymnasium (Abschluss 1860) entdeckte er an sich das Talent zum Maler, Verwandte und Großeltern rieten ihm ab, woraufhin er von 1860-64 Naturwissenschaften in Leipzig, dann in Würzburg und Heidelberg studierte und promoviert zum Dr. phil.. Bereits während seiner Studienzeit verfasste Baumbach einige Gelegenheitsgedichte und Lieder. Nach seinen Abschluss im Jahr 1864 folgte eine Assistenz am Botanischen Institut in Freiburg im Breisgau, bereits während seiner Jugend war er an ökologischen Forschungsarbeiten interessiert. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen begann er als Hauslehrer ohne feste Anstellung in Wien, Brünn und Graz zu unterrichten.

Sein Einkommen verdient er sich als Hauslehrer in Wien und Graz. Zu der Tochter eines seiner Brünner Arbeitgeber hatte Baumbach seine erste und auch letzte Liebesbeziehung. Baumbach, nicht in fester Anstellung, konnte seine Liebe aus finanzieller Not nicht ehelichen, seine Enttäuschung darüber findet sich in den Werken des Lyrikers. Daraufhin beendet er sein Dienstverhältnis und sucht in Triest nach einer neuen Anstellung; gibt 1870-81 die Alpenvereinszeitschrift "Enzian, ein Gaudeamus für Bergsteiger" heraus und gilt seit dem in der Fachwelt als dichterisches Talent. Der Naturfreund und Botaniker lebt seit 1881 als freier Schriftsteller und erringt in diesem Jahrzehnt seine populärste Anerkennung. Sein erster literarischer Erfolg basiert auf einer slowenischen Alpensage vom Zlatorog, in über 100 Auflagen und Bearbeitungen (u. a. als Oper und Kandate) verlegt. 1885 kehrt er aufgrund der nun erlangten finanziellen Unabhängigkeit nach Meiningen in seine Thüringer Heimat zurück und erhält eine Bibliothekarsstelle. Der sogenannte " Theaterherzog" in Meiningen: Herzog Georg II, ist ihm sehr zugetan und ernennt ihn 1888 zum Hofrat.

Zahlreiche Bildungsreisen führen ihn nach Griechenland, Ägypten, Italien und in die Türkei. 1893 kehrt er zum letzten Mal in die Geburtsstadt Kranichfeld zurück.

Baumbach erlitt 1895 einen schweren Schlaganfall von dem er sich nie wieder gesundheitlich erholen sollte; durch die entstandene Lähmung wurde seine literarischen Tätigkeit verhindert. Am 21. September 1905 starb Rudolf Baumbach in Meiningen.

Wirken:

Nach dem Motto der Einfachheit und Natürlichkeit lebte und dichtete der gebürtige Kranichfelder Rudolf Baumbach. Der begabte Junggeselle, der Wein, Gesang und Geselligkeit liebte und zu einer Zeit lebte, in der Liebesbeziehungen durch finanzielle Mittel bestimmt wurden, verarbeitete seine enttäuschten Lieben und Lebenserfahrungen beim Schreiben zahlreicher wunderbarer, frecher und romantischer Gedichte, Novellen, Erzählungen und Märchen.

Baumbachs literarisches Schaffen begann mit der Gestaltung von Bierzeitungen und der Dichtung von Kneipliedern. Es folgten die Werke "Samiel hilf!" und "Mein Frühjahr", eine Sammlung von Beiträgen Baumbachs in der Alpenzeitung "Enzian – Ein Gaudeamus für Bergsteiger". Die Alpensage "Zlatorog", in der seine Nähe zur Natur und zu den Menschen Sloweniens deutlich wird, brachte Baumbach 1876 den Durchbruch.

In späterer Zeit werden zahlreiche Gedicht- und Prosabände von ihm veröffentlicht, u. a. auch die " Lieder eines fahrenden Gesellen ", "Von der Landstraße" und "Spielmannslieder" von welchen etliche u.a. von Feruccio Busoni, Max Reger und dem Berliner Apotheker Heinz Höhne vertont werden. Das Lied " Hoch auf dem gelben Wagen" ist noch heute ein Evergreen. Baumbach gehörte damals zu den meistgelesenen Autoren des deutsch- sprachigen Raumes. Besonders beliebt ist seine inhaltlich vielseitige Kurzprosa.

Höchste Auflagenzahl erreichten sein Versepen "Zlatorog" und "Truggold", beide im Jahr 1878 publiziert. Die Sehnsucht nach seiner thüringischen Heimat zog Baumbach 1885 zurück nach Meiningen, es erstanden Werke "Thüringer Lieder“ und "Krug und Tintenfass", die auch heute noch die Idylle seiner thüringischen Heimat wiederspiegeln.

Seine lyrischen Werke sind geprägt von einer einfachen Sprache, verfasst in melodiöse, rhythmische Verse, oft wurden sie von Musikern vertont. Die meisten populären Lieder finden sich in studentischen Kommersbücher wieder oder als einfaches Volkslied, gelöst von ihrem Autor, in aller Munde. Das Lied "Hoch auf dem gelben Wagen" ist jedem bekannt, aber auch die Baumbachsche Märchen werden auch noch heute von vielen Kindern gelesen.

Heute gilt Baumbach als Hausdichter der Meininger Museen, denn das hiesige Literaturmuseum in seinem einstigen Domizil trägt seinen Namen. Heute ist im Obergeschoss des Hauses eine ständige Ausstellung zu sehen, die mit Schriftstellern aus dem Meininger Land bekannt macht.

Bibliographie:

1877 Zlatorog (Versepos)
1878 Trug-Gold (Versepos)
1878 Lieder eines fahrenden Gesellen (Liedersammlung)
1878 Horand und Hilde (Versepos)
1879 Der Wagen rollt (Gedicht, 1922 unter dem Titel "Hoch auf dem gelben Wagen" von Heinz Höhne vertont)
1879 Schwört bei dieser blanken Wehre (Lied)
1880 Neue Lieder eines fahrenden Gesellen (Liedersammlung)
1881 Frau Holde (Erzählung)
1881 Sommermärchen (Märchen)
1882 Mein Frühjahr (Gedichte)
1882 Von der Landstraße. (Liedersammlung)
1882 Spielmannslieder (Liedersammlung)
1883 Wanderlieder aus den Alpen (Liedersammlung)
1883 Truggold (Erzählung)
1883 Abenteuer und Schwänke, alten Meistern nacherzählt (Erzählung)
1884 Der Pate des Todes (Erzählung)
1885 Erzählungen und Märchen
1887 Krug und Tintenfaß (Gedicht)
1888 Kaiser Max und seine Jäger (Erzählung)
1889 Es war einmal (Märchen)
1891 Thüringer Lieder (Liedersammlung)
1896 Aus der Jugendzeit
1896 Neue Märchen
1897 Bunte Blätter

Ehrungen und Auszeichnungen:

Das Meiniger Stadtmuseum ist nach ihm benannt.

Sekundärliteratur

1894 Karl Emil Franzos: Die Geschichte des Erstlingswerks: Selbstbiographische Aufsätze von Rudolf Baumbach, Felix Dahn, Georg Ebers, Marie von Ebner-Eschenbach, Ernst Eckstein, Theodor Fontane, Karl Emil Franzos, Ludwig Fulda, Paul Heyse, Hans Hopfen, Wilhelm Jensen, Hermann Lingg, Conrad Ferdinand Meyer, Ossip Schubin, Friedrich Spielhagen, Hermann Sudermann, Richard Voß, Ernst Wichert, Julius Wolff ; mit den Jugendbildnissen der Dichter. Leipzig: Titze. Erschien anscheinend gleichzeitig bei Berlin: Concordia und Stuttgart: Cotta.

1907 Sigmund Freud: "Der Wahn und die Träume in W. Jensens Gradiva". In: Schriften zur angewandten Seelenkunde, Heft 1. Leipzig, Wien: Hugo Heller.

(© 14.02.2006 Autor und Redaktion Gerd Gross) (letzte Änderung 07.08.2008))
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