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Literatur
der Moderne: 1890-1925
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Literatur der Moderne:
Moderne: übergreifender geschichtlicher, philosophischer und ästthetischer Epochenbegriff mit unterschiedlichen Akzentsetzungen und Datierungen. Im Gegensatz zu den geschichtlichen und philosophisch-wissenschaftlichen Konzepten, die in der Moderne eine fortschreitende Bewegung auf der Basis neuzeitlichen rationalistischen Denkens sehen, steht im Konzept der asthetischen Moderne der Bruch mit der Tradition im Vordergrund. Dabei ergeben sich unterschieliche Vorstellungen über Begriff und Datierung der Moderne. Zu diskutierten Modellen gehören: Die Moderne beginnt mit der "Querelle des Anciens et des Modernes" Ende des 17. Anfang des 18.Jh.s, da hier in der Abgrenzung zur ein neues Geschichtsbewusstsein einsetzt; der Umbruch zur Moderne findet in der Zeit zwischen etwa 1890 und 1914 statt, ein Konzept der deutschen Literaturgeschichtsschreibung, die damit das Selbstverständnis der Autoren jener Zeit aufnimmt; die Anfänge der Moderne gehen auf das 19.Jh. mit seiner neuen technischen Zivilisation und den aus den Erfahrungen Großstadt resultierenden neuen Wahrnehmungsformen zurück (Charles Baudelaire); die Ansätze der Moderne liegen in der deutschen Frühromantik mit ihrer Radikalisierung der ästhetisch Theorie im Hinblick auf die Autonomie des Künstlers und der Kunst. Der Begriff der Moderne geht tendenziell weit über einen Epochenbegriff - wie etwa den des Mittelalters - hinaus. Das historische Einsetzen der Moderne ist dabei stets eine Frage theoretischer Interessen und Grundlagen. Bezeichnender Ausdruck dafür ist eine schwer eindämmbare Rückdatierung. Aus einer allerdings beschränkten, da eurozentristischen Sicht verschiebt sich das Einsetzen der Moderne mit jeweils guten Gründen rückwärts: Vom Zusammenbruch des Sozialismus und einem "Ende der Geschichte“ über die Erschütterungen durch den ersten Weltkrieg, die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts, die Neuzeit mit der Reformation und der Entdeckung Amerikas, über das Imperium Roms zurück bis zur attischen Demokratie und zur Bildung des Staatswesens überhaupt bzw. zum Zusammenbruch frühester Staatswesen. Historie der Moderne: Nach dem sich der Naturalismus in seinen Fakten und technokratischen Formalierungen in den neunziger Jahren des 19.Jh.s. erschöpfte, entstanden neue Stömungen (Ismen), die abweichend gegenüber dem bürokratisch wirkendem Naturalismus neue Impulse von Freizügigkeit und Konformität in die lyrische Sprache der Moderne einfließen lässt. Dieser Pluralimus der Stile (Impressionismus, Jugendstil, Symbolismus, Neuromantik, Fin de siécle, Dekadenz und Ästhetizismus), der seinen Ausgang in Östereich fand und sich in seiner konstituierenden Entwicklung über die Grenzen nach Deutschland Raum verschaffte, brachte der Individualität und Subjektivität, dem "Ich", neuen Raum und schaffte damit den konformen Naturalismus in seiner naturalistischen Objektivität ab. Zu den herausragenden Schriftstellern seiner Zeit zählen Nietzsche und Stirner, deren Rezeptionen die Entwicklung der Ismen für die Literatur zugänglich machten. Neue technische Entwicklungen und ein immer stärker werdender Zusammenbruch des bestehenden Weltbildes (Einsteins Relativitätstheorie usw.) führen zum Verlust der traditionellen Werte. Durch die literarische Sprachkrise der Jahrhundertwende, in welcher die Alternativen und Abgrenzungen von Dialektik diskutiert werden, ("Brief des Lord Chandos", H. v. Hofmannsthal) beschleunigen die Entwicklung der Moderne. Die Relativierung von Wahrnehmung und Erkenntnis führt zum Verlust der "Ichlosigkeit", so Bahr, "Das Ich ist unrettbar.' Es ist nur ein Name. Es ist nur eine Illusion. Es ist ein Behelf, den wir praktisch brauchen, um unsere Vorstellungen zu ordnen. Es gibt nichts als Verbindungen von Farben, Tönen, Wärmen, Drücken, Räumen, Zeiten." Die Stilrichtungen der Moderne: Dies spiegelt sich auch in der literarischen Moderne zum Ende des 19. Jahrhunderts, wobei das Experimentieren mit neuen literarischen Techniken im Vordergrund steht. So ist die freie indirekte Rede und eine fragmentierte Weltsicht sowie die Relativierung von Ansichten ein Kennzeichen in modernistischen Romanen. Weiterhin sind Subjektivierung und Psychologisierung der Wirklichkeitserfahrung, das Zurücktreten der vermittelnden Erzählinstanz, der Verzicht auf einen kohärenten Plot, ästhetische Selbstreflexivität und die Wiedergabe subjektiver Wahrnehmungs- und Bewusstseinsvorgänge kennzeichnend. Dabei ist die Raum- und Figurendarstellung oft perspektivisch durchbrochen und die Ereignischronologie wird dem subjektiven Zeitempfinden untergeordnet. Nicht wenige Ansätze verlegen den Beginn der literarischen Moderne in den Zeitraum der Romantik, da diese bereits frühmoderne Anzeichen vorwegnimmt: Absage an die tradierte Poetik der Antike, ein neues Künstler-Kunstwerk-Verhältnis etc. Allerdings wird das Substantiv der "Moderne" sowie ein allgemeines Moderne-Empfinden tatsächlich erst um 1890 semantisch virulent. Es ist schwer in der Konformität der Moderne Autoren den einzelnen Ismen fehlerfrei zuzuordnen. Zu groß ist die Bandbreite ihrer Werke die oft den Strömungen ihrer Zeit folgend sich nicht unbedingt an die Grenzen hielten. Um diesem Dilemma zu entgehen wurden die unterschiedlichsten Stilrichtungen zur Moderne zusammengefasst. Ausdrucksform und Krise der Moderne: Die Dichtungen der Jahrhundertwende waren, wie kaum zuvor, sprachgewaltig: Metaphern, Symbole, Bilder, Alliterationen, Assonanzen, Synästhesien durchzogen sie in großem Maße. Den Ästhetizisten ging es dabei nicht um einen Realitätsbezug, wie bei den Naturalisten, sondern einer Loslösung davon. Die Kunst war niemandem anders mehr verpflichtet als sich selbst. Einige Autoren plädierten sogar für eine Geheimsprache, die nur Eingeweihte kennen sollten. Mit der Jahrhundertwende kam es zu einer zunehmenden Selbstkritik der modernen Autoren. Am deutlichsten zeigt sich diese im Chandos-Brief von Hugo von Hofmannsthal, der ihn im Alter von 19 Jahren verfaßte. In diesem fiktiven Brief an Francis Bacon bedauert Lord Chandos den "gänzlichen Verzicht auf literarische Betätigung". Chandos ist "die Fähigkeit abhanden gekommen, über irgend etwas zusammenhängend zu denken und zu sprechen". "Es zerfiel mir alles in Teile, die Teile wieder in Teile, und nichts mehr ließ sich mit einem Begriff umspannen." Doch es gibt ein neues Denken "in einem Material, das unmittelbarer, glühender ist als Worte". Für Lord Chandos ist Denken und Sprechen nur noch in einer Sprache möglich, die es so noch nicht gibt, und "in welcher ich vielleicht einst im Grabe vor einem unbekannten Richter mich verantworten werde". Dieser Brief ist nur Fiktion, auch wenn er die Sprachkrise der damaligen Zeit behandelt. Hofmannsthal selbst, wendete sich von der Dichtung nicht ab, der Brief ist also nicht als persönliche Sprachkrise zu sehen. Der Chandos-Brief ist zum einen Sprachkritik, da er sich gegen die konventionellen Sprachgewohnheiten stellt. Zum anderen ist er ein grundsätzlicher Zweifel daran, in wiefern sich die Realität mit Sprache wiedergeben läßt. Hofmannsthals Sprachkritik hatte einen weitreichenden Einfluß: so auf den jungen Wittgenstein in seinem "Tractatus logico philosophicus", in dem es heißt: "Die Gegenstände kann ich nur nennen. Zeichen vertreten sie. Ich kann nur von ihnen sprechen, sie aussprechen kann ich nicht. Ein Satz kann nur sagen, wie ein Ding ist, nicht was es ist." (3.221); "Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt." (5.6); "Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen." (7). Impressionismus Literatur: Die Definition des "Impressionismus", stammt aus der Malerei und lässt sich aus der Kunst der Form von Ausdruck am nachhaltigsten auf die Literatur übertragen. Die Autoren beschreiben nicht die Realität wie sie sich dem Betrachter eröffnen, sondern, wie man sie sich vorstellt und nimmt dabei die Unschärfe des eigenen Blickwinkels als Wirklichkeit an. Der Impressionismus ist mehr als nur eine Stilrichtung, er charkterisiert eine Lebenshaltung des Menschen, der nicht mehr zu irgendeineiner Art von Bindung fähig ist. Das sozialkritische und politische Element des Naturalismus dagegen wird zugunsten eines Rückzugs auf die Subjektivität und den Individualismus aufgegeben. Wie im Impressionismus der Malerei erhalten Farben und Licht (z.B. auch das Glitzern und Funkeln von Gegenständen) eine große Bedeutung in der Darstellung. Das Interesse der Schriftsteller verschiebt sich also von der objektiven Realität auf die subjektive Realität der psychologischen Vorgänge. Es ist der Übergang zwischen dem Naturalismus, der die Wirklichkeit der Dinge beschreibt, und dem Symbolismus, der sich um den Traum bemüht. Der Impressionismus ist ein Leben in einer Scheinwelt, eine Flucht vor der Realität, ein Leben in Ästhetik. Es werden des öfteren Verben weggelassen und die Anzahl von Nomen häufen sich. Noch dazu ist der Impressionismus sehr unpolitisch da er Themen wie Liebe, Tod, Kunst und Leben verkörpert. Diese Themen werden durch persönliche Eindrücke geschildert wobei auf kompositorischen und konstruktiven Elementen eher verzichtet wird. Der Impressionismus ist die Blütezeit des Imperialismus. Der im Naturalismus entstandene Sekundenstil kehrt im Impressionismus wieder, d.h. das Stilideal der Detailtreue wird übernommen. Die Impressionisten verwenden für ihre Momentaufnahmen durchweg kurze literarische Formen, Skizzen, Novellen, Einakter, Lyrik. Der Impressionismus verlor im Endeffekt an Bedeutung, weil seine Schwächen erkannt wurden. Der impressionistische Mensch ist vollkommen und abhängig von seinen Wahrnehmungen. Man ist verdammt, weil man nicht selbst agieren kann. Viele Intellektuellen des l9. Jh.s erkannten dieses Problem und wandten sich dem Expressionismus zu. Hauptvertreter des Impressionismus: Peter Altenberg (1859-1919); Charles Baudelaire (1821-1867); Max Dauthendey (1867-1918); Richard Dehmel (1863-1920): Stefan George (1868-1933); Peter Hille (1854-1904); Arno Holz (1863-1929); Detlev von Liliencron (1833-1909); Stéphane Mallarmé (1842-1898); Marcel Proust (1871-1922); Arthur Rimbaud (1854-1891); Arthur Schnitzler (1862-1931); Antonín Sova (1864-1928); Paul Verlaine (1844-1896); Stefan Zweig (1881-1942). (Quellen Deutsche Literaturgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 2001. Sechste, verbesserte und erweiterte Auflage mit 524 Abbildungen. Stuttgart; Weimar: Verlag J.B. Metzler. Harenberg Lexikon der Weltliteratur. Autoren – Werke – Begriffe. 1989. Dortmund: Harenberg Lexikon Verlag. Hamann, Richard und Jost Hermand. 1973. Stilkunst um 1900. München: Nymphenburger Verlagshandlung. Paulsen, Wolfgang (Hg.). 1969. Das Nachleben der Romantik in der modernen deutschen Literatur. Heidelberg: Lothar Stiehm. Wilpert, Gero von. 1979. Sachwörterbuch der Literatur. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag.) Jugendstil Literatur: Ursprünglich steht der Begriff Jugendstil für eine Ausprägung der sogenannten Art Noveau, und entstammt aus den bildenden Künsten und umschreibt den Begriff mit "Eindruckskunst". Sein Ziel ist, die mit der entstehenden Industriewelt verloren geglaubte Ganzheit des Lebens durch die Einbeziehung der alltäglichen Lebenswelt in die Kunst zurückzugewinnen. Es handelt sich um eine Protestbewegung gegen die herrschende Tradition, die nach neuen Werten und Formen sucht. Im deutschen Sprachraum ist München noch vor Dresden, Darmstadt und Wien das Zentrum des Jugendstils. Wie in Wien findet hier eine Gruppe von Künstlern in einer "Secession“ zusammen, deren Ziel es ist, das Leben künstlerisch zu leben (frei nach Altenberg). Es geht ihnen, wie Rilke es einmal formulierte, um "die bewusste und unbewusste Verwertung des zeitgenössischen Schönheitsbegriffs in allen Bedürfnissen des Alltags“. Der neue Wille zur Kunst wird in Zeitschriften wie "Blätter für die Kunst" (1892-1919), Pan (1895-1900), "Jugend" (1896-1940), "Simplizissismus" (seit 1896), "Ver Sacrum" (1898-1900) und "Die Insel" (1899-1902) zum Ausdruck gebracht. Obwohl keiner der damaligen bekannteren Schriftsteller ein ausschließlich dem Jugendstil verpflichtetes, größeres Werk geschrieben hat, ist es ihnen nicht gelungen, sich den Einflüssen des Jugendstils ganz zu entziehen. Themen und Motive des Jugendstils wie der große Pan, Tanz und Taumel, Blütenzauber und Traumwelt in der Dämmerung haben vor allem in die Lyrik Eingang gefunden. Hauptvertreter der Jugendstil-Literatur: Max Dauthendey, Richard Dehmel, Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke und Frank Wedekind; Otto Julius Bierbaum, Stefan George, Arno Holz, Christian Morgenstern, Georg Trakl und Ernst Stadler. (Quellen Jost, Dominik. 1969. Literarischer Jugendstil. Stuttgart: J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung. Leiß, Ingo und Hermann Stadler. 1997. Deutsche Literaturgeschichte. Band 8: Wege in die Moderne 1890-1918. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, S. 57-60. Wilpert, Gero von. 1969. Sachwörterbuch der Literatur. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag.) Neuromantik Literatur: Die Neuromantik ist die Bezeichnung für eine literarische Strömung um 1890-1915 und tritt als Gegenströmung zu dem großstädtisch-international orientierten Naturalismus auf, die an die Inhalte der Romantik anküpft, laut Verwey "als europäische Reaktion auf den Naturalismus/Impressionismus", setzt historische, exotische, religiöse Stoffe ein und greift gerne auf Märchen, Mythen und Träume zurück. Obwohl die Neuromantik in der deutschsprachigen Literatur stark vertreten ist und auch unter den niederländischsprachigen Schriftstellern Anhänger hat, ist diese Strömung im übrigen Europa kaum ausgeprägt. Der Begriff "Neuromantik“, deren Zentrum der Leipziger Verlag Eugen Diederichs ist, gilt als nicht unproblematisch, weil diese Strömung mehr von den französischen Literaturströmungen wie Impressionismus, Dekadenzdichtung (l’art pour l’art) und dem Symbolismus als von der Romantik beeinflusst ist. Um die Differenzierung innerhalb der Neuromantik vollständig erfassen zu können, wird die Bezeichnung heutzutage durch Symbolismus, Stilkunst um 1900 oder literarischer Jugendstil ersetzt. Für die Neuromantik ist der Mensch nicht länger ein Produkt der Vererbung und des Milieus, sondern ein unergründliches Mysterium. Nicht die Darstellung des Hässlichen und Wahren, sondern die des Schönen steht im Mittelpunkt der Werke, die dieser literarischen Strömung zugerechnet werden. Man flüchtet aus der Wirklichkeit in die Welt der Phantasie mit ihren vielfach symbolischen Gestalten. Die neuromantischen Dichter zeigen Vorliebe für exotische Schauplätze (Mittelalter, Italien der Renaissance), für Wunderbares und Geheimnisvoll-Magisches, für das Skurrile, für Sagen, Mythen und Märchen; sie schufen vor allem in der Lyrik Texte von großer Formvollendung und verfeinerter Sprache. Hauptvertreter der Neuromantik sind: der George-Kreis; die Wiener Moderne; Richard Beer-Hoffmann; Felix Braun; Felix Dörmann; Franz Karl Ginzkey; Ernst Hardt; Gerhart Hauptmann ("Hanneles Himmelfahrt", 1893, Die versunkene Glocke, 1896 u.a.); Hermann Hesse ("Der Steppenwolf"); den jungen Hugo von Hofmannsthal; Ricarda Huch; Richard Kralik; Gustav Meyrink; Agnes Miegel; Börries von Münchhausen; Rainer Maria Rilke; Albrecht Schaeffer; Richard von Schaukal; Wilhelm Schmidtbonn; Eduard Stucken; Karl Gustav Vollmoeller; Jakob Wassermann; Stefan Zweig. “ (Quellen: Hamann, Richard und Jost Hermand. 1973. Stilkunst um 1900. München: Nymphenburger Verlagshandlung. Paulsen, Wolfgang (Hg.). 1969. Das Nachleben der Romantik in der modernen deutschen Literatur. Heidelberg: Lothar Stiehm. Wilpert, Gero von. 1979. Sachwörterbuch der Literatur. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag.) Fin de siécle Literatur: in den 90er Jahren des 19. Jhs. übernommen aus dem frz. fin de siècle "Ende des Jahrhunderts", aus fin "Ende" (gleichbed. lat.finis) und siècle "Jahrhundert" (gleichbed. lat. saeculum), nach der gleichnamigen, 1888 in Paris aufgeführten Komödie von F. de Jouvenot und H. Micard, in Deutschland von Hermann Bahr 1890 als Titel eines Novellenbandes eingeführt. Die Bezeichnung "Fin de siècle" wurde erstmals 1886 in der französischen Zeitschrift "Le Décadent" erwähnt. Diese Zeit ist geprägt von einem Schwanken zwischen Aufbruchsstimmung, Zukunftseuphorie, diffuser Zukunftsangst (siehe Degeneration) und Regression, Endzeitstimmung, Lebensüberdruss, Weltschmerz, Faszination von Tod und Vergänglichkeit, Leichtlebigkeit, Frivolität und Dekadenz. Eine von Frankreich ausgehende, mode- und schlagwortartig verbreitete, meist negativ konnotierte Epochenbezeichnung für die Zeit des ausgehenden 19. Jhs. (in Frankreich zwischen 1870 und 1900, in Deutschland etwa seit 1890). Diese Zeit ist geprägt von einem Schwanken zwischen Aufbruchsstimmung, Zukunftseuphorie, diffuser Zukunftsangst und Regression, Endzeitstimmung, Lebensüberdruss, Weltschmerz, Faszination von Tod und Vergänglichkeit, Leichtlebigkeit, Frivolität und Dekadenz. Die Literaturepoche wird auch "Dekadenzdichtung" genannt. Sie wird 1910 vom Expressionismus abgelöst. Hauptertreter der Fin de siecle sind: Friedrich Nietzsche; Hugo von Hofmannsthal; Stefan George; Joris-Karl Huysman; Henrik Ibsen; Anton Tschechow; Thomas Mann; Oscar Wilde; Marie von Ebner-Eschenbach; Bertha von Suttner; Lou Andreas-Salomé; Arnold Schönberg: Die glückliche Hand; Stefan Zweig; Arthur Schnitzler; Hjalmar Söderberg; Michel Houellebecq (im "fin de siècle" der Jahrtausendwende). Dekadenz Literatur: (von französisch décadence: Verfall), Oberbegriff für eine vielschichtige Strömung innerhalb der europäischen Literatur der Moderne, für die u. a. die Verabsolutierung des Sinnlich-Schönen gegenüber moralischen oder sozialen Normsetzungen, der gesuchte Stimmungswechsel, die Schilderung diffiziler Seelenlagen, die Hingabe an exotische Reize bzw. narkotischen Genuss sowie die resignative Beobachtung des (Kultur-)Zerfalls charakteristisch sind. Der Begriff Dekadenz steht für eine Radikalisierung des Fin des siècle. Er drückt eine Niedergangs- und Verfallsstimmung aus. Jedoch lassen sich zwischen den Begriffen keine klaren Grenzen ziehen. In einigen Teilen der Dekadenz findet man auch Unterschiede: ein selbstreflexives und selbstkritisches Bewußtsein. Einen entscheidenden Einfluß auf den Begriff hatte auch Nietzsche mit Fall Wagner, in welchem wichtige Merkmale der Dekadenz zum Ausdruck kommen: Verlust des Ich und des Daseins, Schaffung einer künstlichen Welt und die Herrschaft der Kunst über die Natur. Auch Bahr prägte den Begriff der Dekadenz entscheidend mit: "Hang nach dem Künstlichen" und "Entfernung vom Natürlichen", "Hingabe an das Nervöse" und "Fiebrische Sucht nach dem Mystischen". Zur Dekadenzdichtung lassen sich Oscar Wilde, Maurice Maeterlinck und Th. Mann zuordnen. Vor allem Thomas Mann griff das Problem des Kulturverfalls immer wieder in seinen Werken auf. Vorbereitet wurde der Ästhetizismus der Dekadenzliteratur durch die Weltschmerzdichtung Lord Byrons und ähnliche Stiltendenzen u. a. bei Heinrich Heine, Nikolaus Lenau, Alfred de Musset, Giacomo Leopardi oder Edgar Allan Poe. Dekadenz wurde zuerst 1888 von Friedrich Nietzsche in "Der Fall Wagner" kritisch als Verfallserscheinung seiner Zeit bewertet. Die eigentliche Dekadenzliteratur fand ihren Beginn und gleichzeitigen Höhepunkt in Charles Baudelaires "Lyrik Les fleurs du mal" (1857; Die Blumen des Bösen); weitere frühe, der Strömung zugerechnete Autoren waren Joris-Karl Huysmans mit seinen vom Naturalismus geprägten Romanen wie "A rebours" (1884) und "Là-bas" (1891) sowie die Dichter des Symbolismus Stéphane Mallarmée, Maurice Du Plessys, Arthur Rimbaud und Paul Verlaine. Auch in der deutschen und österreichischen Literatur lässt sich die Dekadenzdichtung nur schwer von anderen zeitgenössischen Strömungen abgrenzen, so werden die Autoren eines Jungen Wien innerhalb der Wiener Moderne, darunter der junge Hugo von Hofmannsthal, Leopold von Andrian, Peter Altenberg oder Richard Beer-Hofmann, auch dem literarischen Impressionismus – und teils dem literarischen Jugendstil – zugerechnet. Thomas Mann griff in seinem erzählerischen Werk Motive der Dekadenz auf ("Tristan", 1903; "Der Tod in Venedig", 1913). Als echte Vertreter der deutschen Dekadenzliteratur gelten Eduard von Keyserling und Friedrich Huch. Weitere bedeutende Dichter der europäischen Dekadenzliteratur sind Oscar Wilde in England, Maurice Maeterlinck und Émile Verhaeren in Belgien, Stanislaw Przybyszewski in Polen sowie Gabriele D’Annunzio in Italien. (Quelle: MSN Encarta) Ästhetizismus Literatur: in der Romantik entstandene und im Symbolismus, Impressionismus und der literarischen Décadence um 1900 auch dichterisch kultivierte Lebensform, die sich in Opposition zur urbanen Geschäftigkeit und ohne Rücksicht auf politische, moralische, soziale oder religiöse Normierung ganz der genusshaften Betrachtung des Wirklichen verschrieb. Bereits im 18. Jahrhundert durch den ästhetischen Amoralismus Wilhelm Heinses und sein Renaissanceideal des Sinnesmenschen vorweggenommen, fand die Anschauung u. a. bei François Chateaubriand, Novalis, Friedrich Schlegel und in der Forderung des jungen Ludwig Tieck seine Ausformung, das Leben gänzlich in Kunst zu verwandeln. Zur Jahrhundertwende wurde dieser Gedanke von Oscar Wilde in dem berühmten Aphorismus, dass nicht die Kunst das Leben, sondern das Leben die Kunst nachahme, radikalisiert. Des Weiteren suchten John Ruskin, Gabriele D’Annunzio, Hugo von Hofmannsthal, Joris-Karl Huysmans und Paul Valéry die Position dichterisch zu fassen. In den Strömungen des "l’art pour l’art" und der so genannten "absoluten Dichtung" um Stéphane Mallarmé und André Gide fand der Ästhetizismus sein poetologisches Programm. Radikal ausgelebt wurde er im Dandyismus. Ästhetizismus meinte keineswegs allein die Flucht in pure Schönheit, wie sie Huysmans in seinem Roman "A rebours" (1884; "Gegen den Strich") anhand des eskapistischen Adeligen Jean Des Esseintes beschrieb, der im dekadenten Gesamtkunstwerk seines pompösen Schlosses "den Traum von der Wirklichkeit an die Stelle der Wirklichkeit zu setzen” suchte. Vielmehr zielte er ab auf ein distanziert-anschauendes Weltgefühl, das – im Sinn Arthur Schopenhauers vom "Sklavendienste des Willens” befreit – das Leben als "ein bedeutsames Schauspiel” betrachtet ("Die Welt als Wille und Vorstellung", 1819). Beide Gedanken fasste Hofmannsthal in seinem Schauspiel "Tod des Tizian" zusammen, indem er einen Schüler des Malers als Postulat in den Mund legte, des Tages "Fluten als ein Schauspiel zu genießen, / Die Schönheit aller Formen zu verstehen / Und unsrem eigenen Leben zuzusehen”. In Valérys Monsieur Teste wird die Forderung nach einer gänzlich passiven Kontemplation des Lebens radikal gefaßt. Ideal ist diese Vorstellung in der Gestalt des Flaneurs ausgeprägt, der im 19. Jahrhundert seine Bühne auf den Prachtstraßen der europäischen Großstädte und sein Asyl in den dortigen Geschäftspassagen fand. Ohne Kaufwunsch auf die Lockungen der Konsumwelt schauend, gab er sich, Walter Benjamin zufolge, im Schutz der Menschenmasse rauschhaft - ziellos ganz ihren ständig wechselnden Reizen hin: "Das Gehen gewinnt mit jedem Schritt wachsende Gewalt, immer geringer werden die Verführungen der Läden, der Bistros, der lächelnden Frauen, immer unwiderstehlicher der Magnetismus der nächsten Straßenecke”. Der Flaneur wurde u. a. von Edgar Allan Poe ("Der Mann der Menge"), Thomas Mann ("Der Bajazzo"), Heinrich Heine, Baudelaire und Gustave Flaubert beschrieben: "Ich liebte es, mich im Strudel des Straßenlebens zu verlieren” (November). Heine war es, der die ästhetische Sichtweise des Flaneurs herausstellte: An Hand eigener Erfahrungen während einer Reise in Verona begriff er sie als eine Perspektive, die die Welt zu einem Gemälde transformiere, in dem der Betrachter, selbst darin gefangen, "hie und da von den Figuren desselben angelächelt” werde. (Quelle: MSN Encarta) (© 30.08.2006 Autor und Redaktion Gerd Groß) |
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Literatur ist Unsterblichkeit
der Sprache.
(Friedrich von Schlegel) |
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