Schematische
Darstellung antiker Verse
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Eine kurze Silbe ( = v ) in der antiken Metrik entspricht einer
unbetonten Silbe ( = x ) in der deutschen Verslehre; eine lange
Silbe ( = – ) in der antiken Metrik entspricht einer betonten
Silbe ( = ´x bzw. X [heute]). So konnten die ursprünglich auf
quantitierender Betonung beruhenden antiken Versfüße auch auf
die deutsche Sprache angewandt werden.
Zur Kennzeichnung des Metrums werden aber häufig auch im Deutschen
noch die antiken Bezeichnungen genutzt, so dass man unter die
Silben im Vers ein ( v )oder ein ( – ) setzt. Statt dessen kann
man jedoch auch die betonten Silben mit einem Akzentzeichen
( ´ ) kennzeichnen, die unbetonten bleiben unbezeichnet.
Aus dem "Sachwörterbuch der Literatur" (Gero von Wilpert, Alfred
Kröner Verlag Stuttgart 2001) sind noch weitere differenzierende
Notationen (überwiegend aus der antiken Metrik stammend) vorherrschend,
z.B. über dem Hebungsstrich "-" bzw. dem Senkungsbogen "v" noch
ein ´ [Akut] oder ` [Gravis] und ^ [Zirkumflex] (z. B. S. 385
s. v. "Jambelegos", "Jambus", S. 152 s. v. "Daktylus", v. a.
s. v. "Akzent" auf S. 14). Zuweilen können sogar die Senkungsbögen
unterstrichen sein, um eine gewollte "schwere (Hervorhebung
durch d. Verf.) Senkung" zu erzielen, zwecks "Vermeidung eintönigen
Klapperns ..." (ebd., S. 340 s. v. "Hexameter"). Im ultimativen
Literaturforum verwenden wir zur Differenzierung ( û ).
Zäsuren
sind durch ( || ), Takte mit ( | ) markiert.
Beispiel:
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"Täglich
geh ich heraus, und such ein Anderes immer,
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-
v - v v - || v - v - v v - v
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Habe
längst sie befragt, alle die Pfade des Lands;
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-
v - v v - || - v v - v v -
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Droben
die kühlenden Höhn, die Schatten alle besuch ich,
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-
v v - v v - || v - v - v v - v
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Und
die Quellen; hinauf irret der Geist und hinab"
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-
v - v v - || - v v - v v -
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(Friedrich Hölderlin: Menons Klage an Diotima,
in: ders.: Gedichte, hg. v. Jochen Schmidt, Frankfurt/M. 1984,
S. 102.)
Versfuß und Takt:
Der Versfuß der antiken Metrik stellt die kleinste metrische
Einheit dar.
Im Deutschen (und anderen Sprachen) lässt sich aufgrund der
akzentuierenden Betonung betonte
Silbe (´x) unbetonte
Silbe (x) statt dessen auch erfolgreich eine aus
der Musik entliehene Takteinteilung verwenden. Dabei wird vor
eine betonte Silbe ein Taktstrich ( = | ) gesetzt, so dass jeder
Takt mit einer betonten Silbe beginnt.
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Es
schlúg mein Hérz, geschwínd zu Pférde!
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x
´x x ´x x ´x x ´x x
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x
|´x x |´x x |´x x |´x x
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Alternierende Verse:
Wechseln im Vers betonte und unbetonte Silben einander ab, so
spricht man von einem alternierenden Vers. Alternierende Verse
werden auch als jambisch oder trochäisch bezeichnet. Dies rührt
von den antiken Versfüßen Jambus
( v– ) und Trochäus
( –v ) her.
Beginnt ein alternierender Vers mit einem Auftakt, so ist er
jambisch, beginnt er ohne Auftakt, das heißt gleich mit einer
betonten Silbe, so ist er trochäisch. In Versfüßen ist der obige
Beispielvers auch so darstellbar:
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"Es
schlúg mein Hérz, geschwínd zu Pférde!"
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x
´x x ´x x ´x x ´x x
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x
|´x x |´x x |´x x |´x x
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v
– v – v – v – v
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v-
v- v- v- v
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(Goethe, Willkommen und Abschied)
Man erkennt hierbei, dass die letzte Silbe in dieser Notation
gar kein echter Versfuß mehr ist, man müsste sie dem letzten
Jambus zuordnen, wodurch dieser zu einem Amphibrachys ( v–v
) würde. Deshalb ist es günstig, im Deutschen nicht von Jamben,
sondern von jambischen Versen zu sprechen, d.h. alternierenden
Versen mit Auftakt.
Ein alternierender Vers ohne Auftakt ist ein trochäischer Vers:
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Hát
der álte Héxenmeíster
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|´x
x |´x x |´x x |´x x |
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–v
–v –v –v
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(Goethe, Der Zauberlehrling)
Nichtalternierende Verse:
Verse, die nicht alternierend sind, haben mehr als zwei Silben
im Takt.
Umfassen die Takte regelmäßig drei Silben, kann man sie in Anlehnung
an die drei Versfüße Daktylus ( –vv ), Anapäst ( vv– ) und Amphibrachys
( v–v ) auch als daktylisch, anapästisch oder amphibrachisch
bezeichnen. Da die Auftakte der Verse eines Gedichtes unterschiedlich
gestaltet sein können, ist es auch möglich, den gesamten Vers
ohne Rücksicht auf den Auftakt einfach als daktylischen Vers
zu bezeichnen; dies bedeutet dann, dass jeder Takt drei Silben
umfasst.
Daktylische Verse haben ein ungerades Taktgeschlecht, weil jeder
Takt genau drei Silben enthält.
Unregelmäßige Verse:
Unregelmäßige Verse sind solche, bei denen die Anzahl der Silben
in den einzelnen Takten unterschiedlich ist.
Dabei können Takte mit zwei Silben überwiegen und nur hin und
wieder dreisilbige Takte eingestreut sein. Auch hier liegt mehr
oder weniger ein gerades Taktgeschlecht vor, da die Silben des
dreisilbigen Taktes beim Vortrag meist schneller gesprochen
werden, so dass sich das Tempo nach den zweisilbigen Takten
richtet.
Es können auch in Versen mit dreisilbigen Takten solche mit
zwei Silben eingestreut sein. Dann handelt es sich mehr oder
weniger um ein ungerades Taktgeschlecht, da die Silben des zweisilbigen
Taktes meist langsamer gesprochen werden, so dass die dreisilbigen
Takte das Tempo des Vortrages bestimmen.
Außerdem kann die Abfolge der Silben so unregelmäßig sein, dass
sich eine Einteilung in ein Taktgeschlecht erübrigt, wie z.
B. beim Knittelvers. Auch die moderne Lyrik verzichtet häufig
auf die klassischen poetischen Mittel von Reim und Versmaß und
verwendet den freien Vers, der im 19. Jahrhundert in Frankreich
als vers libre entwickelt wurde. Durch den völligen Verzicht
auf die Regeln der Metrik nähert sich der freie Vers der Prosa
an.
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(Quelle: Wikipedia, Die freie
Enzyklopädie
Sachwörterbuch der Literatur, Gero von Wilpert, Alfred Kröner
Verlag Stuttgart 2001 )
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(© 15.07.2007 Autor und Redaktion
Gerd
Gross) (letzte
Änderung 15.07.2007)
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