Sachwörterbuch der Deutschen Literaturwissenschaft
Leberreim
,der
stellt ein kurzes, meist scherzhaftes
Gelegenheitsgedicht dar. Ursprünglich wurde es wohl als Tischspruch
bei Lebergerichten verwendet, wobei im Eingangsvers das Wort
"Leber" vorkommt. 1601 gab Johann Junior die erste Sammlung
norddeutscher Leberreime heraus.
Sie beginnen stereotyp mit einem Vers: Die Leber stammt (ist) von
einem Hecht und nicht von ... (Ergänzung: Die Leber und der Hecht
sind im Beispiel wesentlich für Leberreime.) Auf diesen folgt dann
ein zweiter, der sich auf dem ersten reimt und nicht einer gewissen
Komik oder gewisser Weisheit entbehren sollte.
Beispiele von Karl Schimper:
Die Leber ist vom Hecht und nicht vom Dintenfisch:
Ein Wassereimer wirkt besonders schöpferisch.
Die Leber ist vom Hecht und nicht vom Säbelschnabel: Lichtputzendienste
tut doch nicht die Ofengabel?
Die Leber ist vom Hecht, nicht von der Fledermaus:
Und Augenlieder sind kein rechter Ohrenschmaus.
Die Leber ist vom Hecht und nicht von einer Kröte: Gedunsen macht
das Geld, pausbackig gar die Flöte.
Weitere (unbekannter Verfasser)
Die Leber ist von einem Schwan
und nicht von einem Hummer;
ich hoff, es macht der Ehemann
dem Frauchen keinen Kummer.
Die Leber ist vom Hecht
und nicht von einem Aal.
Bei jedem, der gern zecht,
da schrumpft sie allemal.