Sachwörterbuch der Deutschen Literaturwissenschaft
Aptum
oder Decorum
Prinzip der antiken Stil-Lehre:
Angemessenheit; Feingefühl für das, was in semantischer, stilistischer,
situativer etc. Hinsicht am besten passt.
Norm der Rhetorik:
wirkungsorientierte Abstimmung von Elementen oder Momenten aus
unterschiedlichen Bereichen des Textes bzw. der Textproduktion.
Das aptum oder decorum stellt das grundlegende regulative Prinzip
der Rhetorik dar. Sie besagt, dass der Autor
oder Redner verschiedene Elemente, Aspekte, Teile usw., die
für die Rede bzw. den Text und seine Äußerungssituation bedeutsam
sind, möglichst so aufeinander abstimmen solle, dass sie ein
in sich geschlossenes und (gerade deshalb) wirkungsträchtiges
Ganzes ergeben. Verletzungen des aptum sind somit zwar möglich,
aber wiederum nur mit Blick auf eine entsprechende Wirkung –
also in Übereinstimmung mit einem modifizierten aptum.
inneres
aptum:
Stilmittel
aufeinander abgestimmt, aber u.U. heterogen
äußeres
aptum:
zur
Situation passend, aber u.U. sinnhafte Erwartungsdurchbrechung,
Genera der Rede (Fest, Gericht, Politik)