Sachwörterbuch der Deutschen Literaturwissenschaft
Apophthegma
gr. = geflügeltes Wort, heute literaturwissenschaftliche
Bezeichnung für einen treffenden Ausspruch, Denkspruch; plural
= apophtegmata, das
Allgemein werden darunter in der Antike in bestimmten Situationen
treffend formulierte Aussprüche von Philosophen, Politikern, Rednern,
Künstlern u.a. verstanden. Sie wurden in Sammlungen zusammengefasst,
die große Verbreitung fanden. Die verbreitetsten christlichen Sammlungen
sind die Apophthegmata patrum (Sinnsprüche der Väter): Aussprüche,
seelsorgerische Ratschläge und für die christliche Lebensauffassung
vorbildliche Handlungen der angesehensten ägyptischen Wüsteneremiten
aus dem 4./5. Jahrhundert.
Sie wurden erst mündlich überliefert, bald aber in verschiedenen umfangreichen
Sammlungen griechisch zusammengestellt und in andere Sprachen übersetzt.
Apophthegmata ist auch der Titel von Spruchsammlungen der frühen Neuzeit
z.B. von Julius Wilhelm Zincgref "Apophthegmata, der Teutschen scharpfsinnige
kluge Sprüch" (1626-31) oder von Erasmus von Rotterdam (1550).