Sachwörterbuch der Deutschen Literaturwissenschaft
Abecedarium

lat. = Bennung der Buchstabenreihe nach den ersten vier Buchstaben des lat. Alphabets; das
nach dem Alphabet geordneter oder strukturierter Text. Der Begriff bezeichnet (1) bis ins 19. Jh. alphabetisch geordnete Elementarbücher (ABC-Bücher), (2) alphabetisch geordnete Register spätmittelalterlicher Rechtsbücher, (3) nach dem Alphabet strukturierte Texte in Vers- oder Prosaform. Hier folgen die Anfänge der Strophen oder Absätze dem Alphabet, ein Verfahren, das bereits im hebr. Psalter verwendet (z.B. Ps. 119) und dann in lat. und dt. Texten des Mittelalters ausgebaut wurde. Beispiele sind "Das guldein Abc mit vil subtiliteten" des Mönchs von Salzburg (2. Hälfte 14. Jh.) und "Marienlieder" Heinrich Laufenbergs (1. Hälfte 15.Jh.), Texte, die die Bedeutung der Form des Abecedariums für die mittelalterliche Mariendichtung belegen. Im Barock fand das Abecedarium noch einmal besonderes Interesse, z.B. als alphabetisches Akrostichon ("Das güldene Auferstehungs ABC") in Quirinus Kuhlmanns "Kühlpsalter" (1684-86) oder als publikumswirksame Aufzählung der Teufel nach dem ABC in der Predigt (Abraham a Sancta Clara "Der klare Sonnen-Schein", 1684).


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