Literaturgattung - Epik
Gattung - Epik
kommt aus dem griechischem und ist ein Sammelbegriff für jede Art erzählender Dichtung in Prosa oder Versen. Die Stilart ist vom erzählenden Vergegenwärtigen von Vergangenem gekennzeichnet.

Explikation:

Die Epik ist eine Sammelbezeichnung für jede Art fiktiver Erzählung in Versen oder Prosa, eine der literarischen Grundgattungen, von der neueren Poetik im Anschluß an Goethe ("Noten und Abhandlungen zum besseren Verständnis des West-östlichen Divans", 1819) oft eingestuft als die mittlere der drei "Naturformen der Poesie", als die "klar erzählende", d.h. weniger subjektiv als die "enthusiastische aufgeregte Lyrik", aber auch nicht so objektiv wie die "persönlich handelnde" Dramatik.

Der Epiker ist nicht durch Grenzen von Raum und Zeit eingeengt wie der Dramatiker; er kann zeitdehnend, zeitraffend oder zeitdeckend erzählen, sich der Technik der Rückblende bedienen oder durch Vorausdeutung künftige Ereignisse vorwegnehmen. Die epischen Grundformen (Erzählweisen) treten meist vermischt auf; Basis aller Epik ist der zeitraffende Bericht. Zeitdehnend wirken Beschreibung und Erörterung. Annähernd zeitdeckend ist die epische Szene, zu der neben dem direkten Gespräch auch indirekte Redeformen, erlebte Rede und innerer Monolog gehören.

Historie:

Mit einer Theorie der Epik befassten sich erstmals Platon und v. a. Aristoteles; sie beschränkte sich bis ins 18. Jahrhundert auf normative oder beschreibende Angaben zum Epos. Seitdem wurde sie entweder als Abgrenzung der Epik von anderen Grundgattungen, insbesondere von der Dramatik, versucht, so etwa von Goethe und Schiller ("Über epische und dramatische Dichtung", gedruckt 1827, und im Briefwechsel), oder im Blick auf einzelne Erscheinungsformen und Gattungen ausgebaut.

In der Übergangsphase von der feudalen zur bürgerlichen Gesellschaft wandelte sich die Epik grundlegend und es erfolgt in Europa der Übergang von der Vers- zur Prosa-Epik. Damit diese differenzierte Welt greifbar zu machen war, mussten sich neue Erzählformen herausbilden. Dazu gehört z.B. der Roman. Gleichzeitig entstanden, bedingt durch die industrielle Revolution, effektivere Mechanismen zur Verbreitung und Herstellung von Literatur. Dadurch beschleunigte sich die Entwicklung der literarischen Gattungen: es entwickelten sich z.B. Formen wie die Novelle, die Glosse, die Kurzgeschichte und die Short Story.

Typologie: (s.h. Epiktheorie)

Die Epik, die zum Teil erst nach längerer mündlicher Überlieferung niedergeschrieben wurde, in der Regel jedoch als literarische Buchepik entstand, kann nach verschiedenen Gesichtspunkten untergliedert werden, z. B. in einfache Formen (Legende, Sage, Märchen) und Kunstformen verschiedenster Gattungen:

Zur Großform: Epos, Novelle, Volksbuch, Biografie und als späteste Form der Roman;

zur Kurzform: Erzählung (im engeren Sinn), Kurzgeschichte, Anekdote, Geschichte, Kurzgeschichte, Märchen, Sage, Legende, Verserzählung, Jugendliteratur, Bildergeschichte und Schwank.

Die Großformen ergeben sich meist aus der Auffächerung der erzählten Vorgänge in Vordergrundhandlung und Hintergrundgeschehen, oft auch in mehrere Handlungsstränge oder selbstständige Episoden; dazu kommen Figurenreichtum, eine Fülle von Ereignissen, auch reflektierende Einlagen und Ausführlichkeit im Einzelnen, die "epische Breite". Die Kurzformen der Epik sind auf einen Handlungsstrang konzentriert, oft ist ihre Komposition auf den Schluss ausgerichtet.

Differenzierung:

Mit der zunehmenden Differenzierung der epischen Dichtung im 19. Jahrhundert und der Entwicklung der Prosa werden unter dem Begriff Epik alle Genre der erzählenden Literatur erfasst. Die Epik unterscheidet sich von der Dramatik und Lyrik durch grundlegende Merkmale der Gestaltung, der Kommunikation und der Funktionsweise. Zu diesen Merkmalen gehören:

  • Erzählen als charakteristische Form der Vermittlung zwischen Erzähler und Zuhörer bzw. Leser, wobei aus der Perspektive des Erzählers oder einer Figur erzählt wird (Erzählperspektive)
  • Vergegenwärtigung des Geschehens als Vergangenes oder ungebundener Umgang mit der Zeit (Erzählzeit).
  • Gestaltung gesellschaftlicher Zustände, individuelle Begebenheiten, Erlebnisse (Stream of consciousness)



Sekundärliteratur

Behrmann, Alfred: Einführung in die Analyse von Prosatexten. 5. Aufl. Stuttgart 1982.

Stanzel, Frank: Theorie des Erzählens. 7. Aufl. Göttingen 2001.

Vogt, Jochen: Aspekte erzählender Prosa. 8. Aufl. Opladen/Wiesbaden 1990.

(Quelle: Meid, Volker: Sachwörterbuch zur deutschen Literatur; Stuttgart: Philipp Reclam jun. GmbH& Co, 1999 verbesserte Ausgabe 2001; ISBN 3-15-018129; S. 146-147;
Braak, Ivo: Poetik in Stichworten: literaturwissenschaftliche Grundbegriffe; eine Einführung / von Ivo Braak; Martin Neubauer. - 7. überarbeitete und erweiterte Auflage, Unterägeri: Verlag Ferdinand Hirt, 1990; ISBN 3-266-03080; S. 214-266;
Brockhaus - Die Enzyklopädie: in 24 Bänden. 20., neu bearbeitete Auflage. Leipzig, Mannheim: F. A. Brockhaus 1996-99. Aktualisiert mit Artikeln aus der Brockhaus-Redaktion und ergänzt um Verweise auf Munzinger-Texte. © Bibliographisches Institut F. A. Brockhaus AG, Mannheim, und Munzinger-Archiv GmbH, Ravensburg )

(© 08.06.2004 Autor und Redaktion Gerd Gross) (letzte Änderung 01.03.2007)
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