Literaturgattung - Dramatik
Dramentheorie - Struktur

Katastrophe
geht auf die Poetik des Aristoteles zurück [griechisch = Wendung, Umkehr, Ausgang] und ist der Begriffswelt der Dramentheorie entlehnt, der den Wendepunkt des Dramas bezeichnet, die Auflösung des dramatischen Konflikts zum Schlimmen (Tragödie) oder Gutem (Komödie).

Explikation:

Die Katastrophe umschreibt den Begriff der Dramentheorie für den letzten Teil eines Dramas, in dem dessen dramatischer Konflikt seine Lösung findet.

Die Katastrophe setzt ein nach vorausgehender, vom Wollen der Person getragener und sich entfaltender Handlung (Epitasis, 2. bzw. 2. und 3. Akt), sie wird vorbereitet durch die Peripetie (oft gekoppelt mit Anagnorisis [vgl. Anagnorisis]), dem Krisen - und Wendepunkt, und führt in rasch fallender Handlung (Gesetz des Müssens) zum Ende des Dramas.

1. Akt Exposition (vgl. Exposition), Einführung in die dramatische Handlung
2. + 3. Akt Entfaltung des Konflikts (Epitases [vgl. Epitasis]), Steigerung der Handlung bis zum Höhepunkt der Krisis (vgl. Krisis)
4. Akt Katastasis (vgl. Katastasis), Scheinlösung des Konflikts; Ausgangspunkt der Peripetie (vgl. Peripetie),
5. Akt Katastrophe (vgl. Katastrophe), Zusammenbruch bzw. Lösung des Konflikts

die Bezeichnung Katastrophe impliziert in diesem Zusammenhang jede, nicht nur die tragische Auflösung eines dramatischen Konflikts (z.B. Goethes "Iphigenie"). die gradlinigste Szenenführung von Exposition über Epitasis zur Katastrophe zeigt die französische haute tragédie (vgl. haute tragédie), wogegen andere Dramenstrukturen der Katastrophe breiteren Raum geben (z.B. im analytischen Drama [vgl. Analytische Synthetische Drama] ist der schrittweise Vollzug der Katastrophe als Folge der vor der Bühnenhandlung liegenden Ereignisse kennzeichnend, daher auch Katastrophendrama) oder die Katastrophe in das Bewusstsein des Zuschauers zu verlegen suchen (moderne Dramenformen).

Historie:

die Bezeichnung geht zurück auf Aristoteles ("Poetik", 10); in der auf ihm basierenden Poetik des Donat ("Terenzkommentar", 4. Jh.) soll die Katastrophe in den 3., in den auf Horaz/Seneca basierenden Poetiken (J.C. Scaliger, 1561 u.a.) in den 5. Akt fallen (vgl. Akt).


Sekundärliteratur

Burckhardt, Klaudia: Katastrophe und Zeit im klassischen Drama 1974

Utley, Freda: Drama China : Hintergründe e. Katastrophe. Übers. von Egon Heymann 1951

{(Quelle: )}

(© 01.12.2007 Autor und Redaktion Gerd Gross) (letzte Änderung 12.12.2008)
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