Dramentheorie
- Struktur
Akt
|
[lateinisch
actus = Vorgang, Handlung] gebräuchlich war die lateinische
Form "Actus" bis ins 18. Jh. und fand zur Beschreibung
eines größeren Handlungsabschnitt in einem Drama
Verwendung; seine Bedeutung ist aus dem altdeutschen Bezeichnung
Handlung, Abhandlung und bis ins 19. Jh. hinein als Aufzug verstanden.
Explikation:
Im klassischen antiken Drama trennten Chorgesänge die Handlungsteile
voneinander; im Verlauf der weiteren Entwicklung ergab sich
daraus in der Praxis häufig eine Fünfteiligkeit (Menander,
Seneca), die auch Horaz in seiner "Ars poetica" forderte.
In Deutschland setzte sich die im Mittelalter
unbekannte Akteinteilung im Humanismus
durch. Johannes Reuchling nutzte sie als erste in seiner neulateinischen
Komödie
"Henno", 1497. Für die Tragödie,
die im Barock
nach dem Vorbild Senecas auch Zwischenchöre (vgl. Ryen)
verwendete, blieben bis ins 19. Jh. fünf Akte die Regel,
während in der Komödie,
der größerer Freiheiten eingeräumt wurden, drei
Akte häufig sind. Seltener als Dramen in drei (vgl. Dreiakter)
oder fünf Akten (vgl. Fünfakter)
sind Einakter (vgl. Einakter),
auch andere Möglichkeiten fanden bei den Dichter
der Zeit anklang. Recht erratische Akteinteilungen haben freilich
die volkssprachlichen Stücke des 16. Jh.s. (z.B. Hans Sachs:
drei bis zehn Akte).
Mit der Skakespearerezeption bereitete sich die Aufklärung
der strengen Aktgliederung vor, und seit dem Ende des 19. Jh.s
entwickelten sich Dramentypen, die anstelle der hierarchischen
Gliederung in Akte und Szenen die Abfolge gleichwertige Teile
setzten. Dazu gehören das Stationendrama (vgl. Stationendrama)
(August Strindberg) und das epische
Theater (vgl. epische
Theater). Seit den Dramentheorien (vgl. Dramentheorie)
des Humanismus
gibt es Versuche die Einteilung in drei oder fünf Akte
mit der inneren Gliederung der dramatischen Handlung, wie sie
etwa Aristoteles, Aelius Donatus und Horaz beschreiben, zu verbinden.
Historie:
Seit dem Humanismus
findet sich die lateinische Bezeichnung Actus im deutschsprachigen
Drama, zuerst 1527 bei B. Waldis ("De parabell vam verlorn
Szohn, 2 Actus") und gleichzeitig bei H. Sachs ("Lucretia,
1 Actus"); seit dem 17. Jh. daneben deutsche Bezeichnungen
wie "Abhand(e)lung" (A.
Gryphus, D.C. Lohenstein), "Handlung"
(J.Ch. Gottsched), "Aufzug" (vgl. Aufzug)
(so allgemein seit dem 18. Jh.: J.E. Schlegel, G.E.
Lessing). Das klassische griechische Drama und die
altrömische Komödie
kennen keine festen Akteinteilung; die Aktgliederung in den
Ausgaben sind Zugaben humanistischer Editoren. Das spätantike
Drama und das Drama der Neuzeit seit der Renaissance
bevorzugen im Anschluss an die antike Poetik
die Gliederung in 3 oder 5 Akte, bzw. Stufen des Handlungsablaufs.
Die Dreiteilung basiert auf Aristoteles (Poetik)
und Donat (Terenzkommentar, 4. Jh.); sie findet sich v.a. im
italienischen und spanischen Drama; nach italienischen Vorbild
seit dem 17. Jh. auch häufig in der französischen
und deutschen Komödie
(vgl. Dreiakter).
Die Fünfteilung ist im Anschluss an Horaz ("Ars
poetica", 189 v. Chr.) zuerst bei Seneca durchgeführt;
daran knüpfen nach der Edition durch Celtis (1487) v.a.
die Dramentheorie J.C. Scaligers, 1561;
| 1.
Akt |
Exposition
[vgl. Exposition],
Einführung in die dramatische Handlung |
| 2.
+ 3. Akt |
Entfaltung
des Konflikts (Epitases [vgl. Epitasis]),
Steigerung der Handlung bis zum Höhepunkt der Krisis
(vgl. Krisis)
|
| 4.
Akt |
Katastasis
(vgl. Katastasis),
Scheinlösung des Konflikts; Ausgangspunkt der Peripetie
(vgl. Peripetie),
|
| 5.
Akt |
Katastrophe
(vgl. Katastrophe),
Zusammenbruch bzw. Lösung des Konflikts |
das lateinische Humanistendrama (vgl. Humanistendrama)
des 16. Jh.s, das deutsche Reformationsdrama (vgl. Reformationsdrama)
des 16. und 17. Jh.s, das schlesische Kunstdrama (vgl. Schlesische
Kunstdrama) und die französische haute tragédie
(vgl. haute
tragédie).
Die Aktgrenzen werden bei Seneca und seinen Nachahmern
durch den kommentierenden Chor (vgl. Chor)
Gryphius,
Lohenstein: Rey(h)en [vgl. Reyen]),
seit dem 17. Jh. durch den Vorhang markiert.
Die Aktgliederungen im volkstümlichen deutschen
Drama des 16. Jh.s sind oft unbeholfen und nur äußerlich
den traditionellen Dramenformen wie dem geistlichen Volksschauspiel
(vgl. Volksschauspiel)
(Luzerner Passionsspiel, 1583) aufgesetzt; die Anzahl der Akte
ist dabei variabel (H. Sachs "Der hürnen Sewfried",
1557; 7. Actus). Im klassizistischen deutschen Drama seit Gottsched
("Sterbender Cato", 1731) und in der deutschen Klassik
ist der fünfteilige Aufbau nach französischem Vorbild
Norm (Ausnahme: "Faust I"). Seltener sind Einakter
(Lessing
"Philotas", 1759; Heinrich
von Kleist "Der zerbrochene Krug", 1808;
H.
von Hofmannsthal; A. Schnitzler) und Vierakter (H.
Sudermann; seltener bei G.
Hauptmann). Größere Aktzahlen begegnen,
vom deutschen Drama des 16. Jh.s abgesehen, nur im außereuropäischem
Drama (altindische Kunstdrama: 5 bis 10 Akte). Seit dem Drama
des Sturm
und Drang (Goethe
"Götz von Berlichingen, 1773; J.M.R.
Lenz "Die Soldaten", 1776) macht sich,
zunächst unter dem Einfluss Shakespeares (Akteinteilung
erst durch die Herausgeber), zunehmend die Auflösung der
strengen Aktgliederung (die äußerlich jedoch häufig
beibehalten wird) zugunsten einer epischen lockeren Aneinanderreihung
einzelner Bilder und Szenen bemerkbar: Achim
von Arnim "Halle und Jerusalem", 1811;
Ch.D. Grabbe; G.
Büchner "Dantons Tod", 1835; F. Wedekind
"Frühlings Erwachen", 1891); erster Höhepunkt
im Expressionismus,
z.T. im Anschluss an A. Strindberg "Traumspiel", 1902;
B.
Brechts episches
Theater; W. Borchert "Draußen vor der
Tür", 1947; Dokumentarspiel. Daneben begegnen bis
in die Gegenwart Dramen mit in sich geschlossenen Akten (R.
Hochmuth "Soldaten", 1968; G.
Grass "Davor", 1969)
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{(Quelle: )}
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(©
20.05.2007 Autor und Redaktion
Gerd
Gross) (letzte
Änderung 20.05.2007)
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