Gnomische
Form - Kurzform
Sprichwort
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ist
ein allgemein bekannter, festgeprägter Satz, der eine Lebensregel
oder Weisheit in prägnanter, kurzer Form ausdrückt; eine prägnante,
formelhafte Lebensregel mit einem Anspruch auf Allgemeingültigkeit.
Explikation:
Zu den sprachlich-stilistischen Merkmalen gehören vielfach Parallelismus
der Satzglieder, Bildhaftigkeit, (Anaphern),
Antithesen und klangliche Mittel wie Reim,
Assonanz
oder Alliteration.
Sprichwörter formulieren Regeln über den Lauf der Welt, aus
denen sich Lehren und damit Handlungsempfehlungen ableiten lassen.
Sprichwörter sind, im Gegensatz zum Aphorismus, anonym. Sie
stammen aus unterschiedlichen Quellen: der volkstümlichen Spruchweisheit,
der Literatur
der Antike und der Bibel, aus der Verdichtung von Fabeln, Schwänken
und anderen Kurzformen, der Popula-risierung von Sentenzen
literarischer Werke.
Historie:
Sprichwörter wurden zunächst v. a. mündlich tradiert. Doch bereits
im Mittelalter
wurden Sprichwörter auch gesammelt und schriftlich überliefert
(zuerst bei Notker III. v. St. Gallen, um 1000). Die Blütezeit
des Sprichwortes war das 16.Jh., als unter dem Einfluss von
Erasmus' v. Rotterdam gelehrten "Adagia" (1500) Heinrich
Bebel, Sebastian Franck und Johannes Agricola bedeutende Sammlungen
vorlegten. Ihnen folgten weitere im 17.Jh. Die Sammeltätigkeit
fand im 19.Jh. mit Karl Friedrich Wilhelm Wanders fünfbändigem
"Sprichwörter-Lexikon" (1867-80) einen - auch quantitativ
- bisher nicht wieder erreichten Höhepunkt.
Weitere Formen des Sprichwortes:
Zu den Sonderformen des Sprichwortes gehören die Rechtssprichwörter,
die (bereits früh parodierten) Bauern- oder Wetterregeln
und die sogenannten Wellerismen (nach Samuel Weller,
einer Figur in Charles Dickens' "Pickwick Papers",
1836-37; sie verbinden ein Sprichwort mit der obligatorischen
Nennung des Sprechers im Mittelteil und einer situationsbezogenen
Pointe: "Aller Anfang ist schwer, sagte der Dieb, und
stahl einen Amboss").
(Wolfgang Mieder, Sprach- und Literaturwissenschaftler, USA).
Ein Sprichwort in Form eines Zitates wird als geflügeltes Wort
bezeichnet.
Erklärende Beispiele:
Ein Sprichwort hat die Form eines abgeschlossenen Satzes in
fester und unveränderlicher Formulierung, z.B.
"Hunger ist der beste Koch."
"Wer lang hustet, wird alt."
Oft wird die Form des Sprichworts durch Stabreim,
End-
oder Binnenreim
noch besonders gefestigt:
"Glück und Glas - wie leicht bricht das".
" Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß."
"Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul."
"Je öller, je döller!"
Mit dem imperativischen Anspruch:
"Jeder kehre vor seiner eigenen Tür!",
"Man soll ...", "Man muss ..."
oder "Man darf ..."
hat das Sprichwort eine generalisierende Form angenommen. Es
drückt in der Regel einen allgemeingültigen Satz aus, der entweder
eine Erfahrung des täglichen Lebens ("Neue Besen kehren
gut."), ein Urteil oder eine Meinung ("Lieber
den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach."),
eine Warnung ("Verliebe dich oft, verlobe dich selten,
heirate nie!" - "Es ist nicht alles Gold, was
glänzt."), eine Vorschrift oder Klugheitsregel enthält
("Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.").
Sozialkritische Sprichwörter:
Viele Sprichwörter sprechen eine Sozialkritik aus ("Als
Adam grub, und Eva spann, wo war denn da der Edelmann?")
oder eine Religionskritik ("Der beste Patron ist der
Tierarzt.") oder schließlich einfache Haushaltsregeln
("Ein gebranntes Kind scheut das Feuer.")."
Lutz Roehrich "Der Ursprung vieler Sprichwörter ist
in der Bibel sowie bei lateinischen Autoren zu finden."
Englische Beispiele:
In dieser Auflistung der Sprichwörter ist eine (englische) Übersetzung
angegeben, sofern es ein äquivalentes Sprichwort gibt.
Alter schützt vor Torheit nicht. (eng.: There's no fool like
an old fool.)
Alle Wege führen nach Rom.(eng.: All roads lead to Rome)
Andere Länder; andere Sitten. (eng.: When in Rome, do as the
Romans do.)
Besser ein Spatz in der Hand, als eine Taube auf dem Dach. (eng.:
A bird in the hand is worth two in the bush.)
Das Eisen schmieden, solange es heiß ist. (eng.: Strike while
the iron is hot / Make hay while the sun shines)
Die Tat wirkt mächtiger als das Wort. (eng.: Actions speak louder
than words.)
Eile mit Weile. (eng.: haste makes waste)
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.
Ein Unglück kommt selten allein. (eng.: It never rains but it
pours.)
Ende gut, alles gut. (eng.: All's well that ends well.)
Es ist nicht Alles Gold, was glänzt. (eng. All that glitters
is not gold.)
Es ist noch nicht aller Tage Abend.
Es heißt friss oder stirb. (eng.: It's do or die.)
Es wird nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird.
Gebranntes Kind scheut das Feuer. (eng.: Once bitten, twice
shy)
Gleich und gleich gesellt sich gern. (eng.: Birds of a feather
flock together./ Great minds think alike, fools seldom differ)
Hochmut kommt vor dem Fall. (eng.: Pride goes before a fall)
Kommt Zeit, kommt Rat.(eng.: Time will tell)
Kümmere dich nicht um ungelegte Eier (eng.: Don't cross your
bridges until you come to them)
Man muß das Eisen schmieden, solange es noch heiß ist.
Man soll das Fell des Bären nicht verteilen, bevor man ihn erlegt
hat. (eng.: Don't count your chickens before they are hatched.)
Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. (eng.: There's many
a slip 'twist cup and lip.)
Morgenstund hat Gold im Mund. (eng.: The early bird gets the
worm.)
Pech im Spiel, Glück in der Liebe.
Quantität ist nicht gleich Qualität
Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden. (eng.: Rome wasn't
built in a day.)
Schuster, bleib bei deinen Leisten
Trau, schau, wem. Vertraue, aber schau erst, wem. [Der Berliner
fügt hinzu: Kee'm] (lat.: fide sed cui vide!; eng.: Try before
you trust.)
Viele Köche verderben den Brei. (eng.: Too many cooks spoil
the broth.)
Was nicht ist kann noch werden.
Was man sich eingebrockt hat, das muss man auch auslöffeln.
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. (eng.: You
can't teach an old dog new tricks)
Wer zuletzt lacht, lacht am besten. (eng.: He who laughs last,
laughs longest.)
Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.(eng.:
Don´t put off for tomorrow what you can do today)
Wenn der Fuchs predigt, bewahr´ man die Gänse.
Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Wer wagt,
gewinnt. (eng.: Nothing ventured, nothing gained.)
Wer Wind sät, wird Sturm ernten.
Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.
Willst Du ohne Sorgen leben, lass kein Ehrenamt Dir geben. (Wilhelm
Busch)
Vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen. (eng.: not to see the
wood for the trees)
Ein Sturm im Wasserglas. (eng.: A tempest in a teacup) (fr.:
Une tempête dans un verre d'eau) ? (eng.: you can´t have your
cake and eat it too)
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• Holl, Karl: Fritz Stavenhagen. In: Ders.: Geschichte des deutschen Lustspiels. Leipzig 1923. S. 320 f.
• Lindow, Wolfgang: Das Sprichwort als stilistisches und dramatisches Mittel in der Schauspieldichtung Stavenhagens, Boßdorfs und Schureks. In: Niederdeutsches Jahrbuch 84 (1961) S. 97 - 116.
• Plate, Josef: Fritz Stavenhagen als niederdeutscher Dramatiker. Diss. Münster 1923.
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(©
01.01.2007 Autor und Redaktion
Gerd
Gross) (letzte
Änderung 01.09.2008)
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