Literaturgattung - Didaktik
Gnomische Form - Kurzform

Sentenz
wird aus dem lateinischen sententia aus sensus, Meinung, Sinnspruch abgeleitet.

Explikation:

bezeichnet als Stilmittel einen kurzen treffenden Ausspruch, der Gültigkeit beansprucht; in einem Satz formulierter Sinn- oder Denkspruch, der sich auf Grund seiner eingängigen Formulierung und seines Anspruchs auf Allgemeingiiltigkeit aus dem Kontext eines literarischen Werks (Drama, Prosa, Ballade usw.) herauslösen lässt. In einer Sentenz werden häufig rhetorische Mittel eingesetzt (z.B. Antithese, Klimax, Parallelismus, Wiederholungen) und sie steht oft an besonders exponierter und dadurch auffälliger Stelle, z.B. am Akt- oder Dramenende, am Beginn oder Ende eines Monologs. Wegen ihrer Fasslichkeit und Geschlossenheit kann die Sentenz unabhängig vom ursprünglichen Textzusammenhang, zum Sprichwort werden. In einem weiteren Sinn umfasst der Begriff Sentenz auch außerhalb von größeren Texten formulierte Denk- und Weisheitssprüche.

Historie:

In der antiken Rhetorik wurden die ersten Sentenzen gebraucht, etwa bei Tacitus, Seneca und Juvenal. Das Sentenzenwerk des Petrus Lombardus - eine Sammlung von Texten und Meinungen der christlichen Kirchenväter - war ein einflussreiches Lehrbuch der mittelalterlichen Theologie (Hochscholastik). Vorwiegend Friedrich Schiller hat das Stilmittel der Sentenz in der Weimarer Klassik eingesetzt. Eine hohe Rolle spielt die Sentenz neben der Redewendung in der chinesischen Sprachkultur, wo Kenntnis und Verwendung oft jahrtausendealter Sentenzen zur gehobenen Bildung gehört, etwa derer aus den Fünf Klassikern.

Beispiele:

"Der Schüler lernt, der Lehrer lehrt."
"Was der Lehrer sagt, ist richtig."




Sekundärliteratur



Baltzer, Otto Die Sentenzen des Petrus Lombardus. - 2. Neudr. d. Ausg. Leipzig 1902 1987

Böttcher, Kurt Gefluegelte Worte 1981

Dedecius, Karl [Hrsg.] Bedenke, bevor du denkst. - 2. Aufl. 1985

Hoffmann, Fritz Crathorn - Quästionen zum ersten Sentenzenbuch 1988

Kirchner, Roderich Sentenzen im Werk des Tacitus 2001

Rösel, Manfred "Das ist ein weites Feld" 1997

Sellner, Alfred Fremdsprachliche Redewendungen im Alltag 1997

Zoozmann, Richard Zitatenschatz der Weltliteratur. - Unveraend. Nachdr. d. 12. Aufl. 1986


(© 01.01.2007 Autor und Redaktion Gerd Gross) (letzte Änderung 26.04.2007)
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