Parabolische
Form - Beispielerzählung
Bîspel
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[mittelhochdeutsch bî-spel = Bei Erzählung, Kompositum
zu spel = Erzählung, Bericht, Rede, weitergebildet zu Beispiel],
die episch-didaktische
Gattung
des Mittelalters
ist in Reimpaarversen gehalten und weist eine Zweiteilung auf.
Nach einer in der Regel kürzeren Erzählung
aus dem Bereich der Natur und des menschlichen Lebens folgt
eine meist umfangreichere Auslegung. Die Abgrenzung zu verwandten
Formen wie Exempel oder Fabel
ist im Einzelfall schwierig.
Explikation:
Die spezielle Darbietungsform der mittelhochdeutschen kleineren
episch-didaktischen Reimpaardichtung (vgl. Didaktik,
Lehrdichtung), bei der sich an einen meist kürzeren Erzählteil,
der Erscheinungen der Natur oder des menschlichen Lebens behandelt
eine meist umfangreichere Auslegung anschließt; dabei
ist Erzählung
auf die Lehre hin ausgerichtet: diese Beziehung wird in der
Grundbedeutung von mhd. bîspel fassbar.
Charakteristisch für das Bîspel ist seine Kürze
(nach Fischer, der dieses Kriterium für die Abgrenzung
gegenüber dem Märe (vgl. Märe)
verwendet, bis zu 100 Versen); eng verwandt sind Fabel,
Parabel, Exempel, Rätsel; eine Abgrenzung ist im Einzelfall
nicht immer möglich. Die Quellen für den Bîspel-Typus
sind wohl hauptsächlich, in der antiken und orientalischen
Fabeldichtung, in der Bibel, der Physiologus-Tradition, in verschiedenen
Arten didaktischer Dichtung (Parabel, Exempel, Predigtmärlein
zu suchen, rein stofflich auch in unterliterarische internationalem
Erzählgut.
Historie:
Eingestreut in größere Werke finden sich Bîspel
etwa im "Renner", um 1300 von Hugo von Trimberg. Der
erste bedeutende Gestalter des Bîspel als ein selbständiger
Typus ist der Stricker (um 1220/50), der weiterem Verlauf der
Geschichte eine breite Nachfolge fand in dem das Bîspel
in der Literatur des späten Mittelalters eine ausgeprägte
Tendenz zum Belehren und Moralisieren aufweist.
(Quelle: Meid, Volker: Sachwörterbuch
zur deutschen Literatur; Stuttgart: Philipp Reclam jun. GmbH&
Co, 1999 verbesserte Ausgabe 2001; ISBN 3-15-018129. S. 75;
Metzler--Literatur-Lexikon: Begriffe und Definitionen; hrsg.
von Günther u. Irmgard Schweikle, [Mitarb. Irmgard Ackermann
...]. - 2. überarbeitete Auflage, Stuttgart: Metzler 1990;
ISBN 3-476-00668-9; S. 57; Autor: Dr. Rose Schäfer-Maulbetsch,
Tübingen)
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{(Quelle: )}
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(©
25.04.2007 Autor und Redaktion
Gerd
Gross) (letzte
Änderung 25.04.2007)
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