Gnomische
Form - Kurzform (Aphoristik)
Aphorismus
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ist ein prägnanter, zugespitzter
und von entsprechend formulierten Nachbartexten isolierter Gedanke in
Prosaform.
Explikation:
Das Wort "Aphorismus" stammt aus dem Griechischen ("aph-orism?s": Bestimmung,
Abgrenzung; "aph-or?zein": genau bestimmen, abgrenzen) und ist in etymologischer
Hinsicht mit dem Wort Horizont verwandt.
Funktion:
Ein Charakteristikum von Aphorismen ist, dass sie über sich hinausweisend
auf etwas hindeuten, das sie nicht aussprechen, aber dennoch indirekt
darauf hinweisen, indem sie es zeigen. Aphorismen sind kurze Prosa-Texte,
die in geschliffener (rhetorisch überspitzter, pointierter) Form einen
geistreichen, betont subjektiven Gedanken (ein originelles Werturteil,
eine persönliche Erkenntnis, eine Lebensweisheit) moralischer, philosophischer,
psychologischer, ästhetischer Art zum Ausdruck bringen. Ihrer formalen
Gestaltung nach sind Aphorismen in sich abgeschlossene, kontextunabhängige
(aus ihrem jeweiligen Umfeld herauslösbare) Aussagen. Im Hinblick auf
ihren ideellen Gehalt hingegen sind sie extrem offen, indem sie den
Leser zum Weiterdenken oder zum Widerspruch reizen.
Durch seine konzise Formulierung und Pointierung, durch den wirkungsvollen,
zum Nachdenken anregenden Einsatz verschiedener literarischer und rhetorischer
Stilmittel wie Paradoxon, Anspielung," Antithese", Metapher
usw. zielt der Aphorismus auf - überraschende - Erkenntnis. Dadurch
unterscheidet sich der Aphorismus von festen, apodiktisch formulierten
moralischen, philosophischen oder religiösen Lebensregeln. Gleichwohl
bleiben Abgrenzungsschwierigkeiten zu anderen Kurzformen wie - Maxime,
- Sentenz, Fragment, usw. Ihrer formalen Gestaltung nach sind Aphorismen
in sich abgeschlossene, kontextunabhängige (aus ihrem jeweiligen Umfeld
herauslösbare) Aussagen. Im Hinblick auf ihren ideellen Gehalt hingegen
sind sie extrem offen, indem sie den Leser zum Weiterdenken oder zum
Widerspruch reizen.
Historie:
Der Aphorismus hat eine bis zu den medizinischen und naturphilosophischen
Lehrsätzen der Antike zurückreichende Geschichte. Zu den frühen Meistern
der Gattung
gehören vor allem die französischen Moralisten des 17. und 18. Jahrhunderts,
u.a. Blaise Pascal, Luc de Clapiers, Marquis de Vauvenargues (1715-1747)
sowie der Spanier Baltasar Gracián. Für die literarische Tradition wurden
La Rochefoucaulds "Réflexions ou sentences et Maximes morales"
(1665) von entscheidender Bedeutung. Die deutsche Nachfolge setzte um
1800 mit postumen Teilveröffentlichungen aus Georg Christoph Lichtenbergs
"Sudelbüchern", Jean
Pauls "Wetterbeobachtungen über den Menschen" im
"Hesperus" (1795), den "Lyceum-" und "Athenaeum-"
Fragmenten des Kreises um Friedrich
Schlegel und den Sammlungen des Novalis
("Blüthenstaub", 1798; "Glauben und Liebe", 1798)
ein. Die aphoristische Tradition führten im 19.Jh. u. a. Goethe
("Maximen und Reflexionen", postum 1840), Marie
v. Ebner-Eschenbach und Friedrich
Nietzsche, im 20. Jh. Arthur Schnitzler, Hugo
v. Hofmannsthal und v. a. Karl Kraus fort. In den 50er-Jahren
wurde Polen zu einem Zentrum politisch-satirischer Aphoristik (Stanislaw
Jerzy Lec u. a.).
"Im Aphorismus ist der Gedanke nicht zu Hause, sondern auf dem Sprung."
(Helmut Arntzen)
Aphoristische Stilmittel:
Paradoxon, z.B. "Die Geschichte lehrt, wie man sie fälscht."
Alogismus, z.B. "Sind nackte Frauen intelligent?"
Doppeldeutigkeit, z.B. "Analphabeten müssen diktieren."
Ironie, z.B. "Bakterien? Kleinigkeit!" (Stanislaw Jerzy Lec)
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- Stephan
Fedler: Der Aphorismus. Begriffsspiel zwischen Philosophie und
Poesie. Stuttgart: Metzler, 1992, ISBN 3-476-45014-7
Harald Fricke: Aphorismus. Stuttgart: Metzler, 1984, ISBN 3-476-10208-4
Heinz Krüger: Über den Aphorismus als philosophische Form. Dissertation.
München: edition text + kritik, 1988, ISBN 3-88377-301-8
Gerhard Neumann: Der Aphorismus. Zur Geschichte, zu den Formen
und Möglichkeiten einer literarischen Gattung. Darmstadt: Wissenschaftliche
Buchgesellschaft, 1976, ISBN 3-534-05731-7
Friedemann Spicker: Der Aphorismus. Begriff und Gattung von
der Mitte des 18. Jahrhunderts bis 1912. Berlin; New York: De
Gruyter, 1997, ISBN 3-11-015137-5
Friedemann Spicker: Studien zum deutschen Aphorismus im 20.
Jahrhundert. Tübingen: Niemeyer, 2000, ISBN 3-484-35079-2
Friedemann Spicker: Der deutsche Aphorismus im 20. Jahrhundert.
Spiel, Bild, Erkenntnis. Tübingen: Niemeyer, 2004, ISBN 3-484-10859-2
Thomas Stölzel: Rohe und polierte Gedanken. Studien zur Wirkungsweise
aphoristischer Texte. Dissertation. Freiburg im Breisgau: Rombach,
1998, ISBN 3-7930-9185-6
Klaus von Welser: Die Sprache des Aphorismus. Formen impliziter
Argumentation von Lichtenberg bis zur Gegenwart. Frankfurt am
Main: Peter Lang 1986, ISBN 3-8204-9170-8
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{(Quelle: )}
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(©
01.01.2007 Autor und Redaktion
Gerd
Gross) (letzte
Änderung 01.01.2007)
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